Rezension: "Die Töchter der Elfe: Schicksalstanz"

Nicole Boyle Rødtnes // Christel Hildebrandt // Gulliver // 282 Seiten // gebunden // 14,95€ // 9783407745958 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Birke, Azalea und Rose sind Elfenschwestern. Sie brauchen die Energie der Menschen, um zu überleben, und entziehen sie ihnen durch magische Tänze. Da die Mädchen ansonsten beinahe ein normales Leben führen können und ihr menschlicher Vater alles dafür tun würde, um seine Töchter zu schützen, drohte den Schwestern bisher keine ernsthafte Gefahr. Doch dann kommt ein neuer Mitschüler an Birkes Schule. Sie verliebt sich Hals über Kopf in den Jungen und ihr sonst so abgeschottetes, geregeltes Leben gerät völlig aus den Fugen. Als plötzlich in der Nähe ihres Hauses eine tote Elfe gefunden wird, ist das Unheil nicht mehr abzuwenden.

Meine Meinung:

Mit „Schicksalstanz“, ihrem deutschsprachigen Debüt, startet Nicole Boyle Rødtnes in ihre magische „Die Töchter der Elfe“-Trilogie. Im Fokus der Geschichte stehen die drei fünfzehnjährigen Elfenschwestern: die ruhige und besonnene Azalea, die quirlige und flatterhafte Rose und die zurückhaltende Birke, die auch als Protagonistin und Erzählerin der Geschichte agiert. Da ihre Elfenmutter bei ihrer Geburt verstorben ist, leben die drei Schwestern zusammen mit ihrem Vater ein abgeschottetes Leben unter den Menschen, stets darum bemüht, das Geheimnis ihrer Abstammung zu hüten. Aber auch Elfenmädchen fangen irgendwann an, sich für Jungs zu interessieren – und damit nimmt das Chaos seinen Lauf…

Ich habe mir von „Schicksalstanz“ ein magisches, atmosphärisches Jugendbuch erhofft, das als Werk einer dänischen Autorin mit neuen Ideen aufwartet und sich nicht an den typischen Mainstream-Klischees bedient. Leider konnte mich Nicole Boyle Rødtnes nur bedingt überzeugen. Während mich ihre realitätsnahe Darstellung verschiedener Charakter sofort begeistern konnte, konzentrierte sich die Geschichte für meinen Geschmack viel zu schnell und zu lange auf die Liebesgeschichte, die nach dem altbekannten Schema verläuft. Ein Mädchen und ein Junge entwickeln innerhalb eines Wimpernschlages Gefühle füreinander, die nicht sein dürfen, und stürzen sowohl sich selbst als auch ihre engsten Vertrauten in ein lebensbedrohliches Chaos. Die dunklen, aber so authentischen Geheimnisse ihrer Vergangenheit werden dabei geflissentlich verdrängt, obwohl gerade diese ihnen Tiefgründigkeit und Charakterstärke verliehen hätten.

Am meisten hat mich jedoch enttäuscht, dass all die Magie der Geschichte neben der Romanze kaum noch Platz gefunden hat. Von der Elfenmagie hat man, mal abgesehen von ein paar wenigen Tänzen, nichts zu spüren bekommen. Stattdessen handeln Birke und Rose, die in Sachen Liebe noch viel aufgeweckter und mutiger ist als ihre Schwester, naiv und leichtsinnig, um den Objekten ihrer Begierde nahe zu sein. Zu schnell, zu unglaubwürdig und an manchen Stellen auch etwas unlogisch entwickelt sich „Schicksalstanz“ zu einem reinen Gefühlschaos, das so viel mehr zu bieten hätte. Zu meiner eigenen Überraschung und Freude konnte mich Nicole Boyle Rødtnes im Verlauf der Geschichte aber doch noch milde stimmen, denn sie lässt ihre Figuren für ihre Gedankenlosigkeit büßen – und das auf bitterböse Weise.

Im letzten Drittel nimmt die Geschichte noch einmal ordentlich an Fahrt auf. Nicole Boyle Rødtnes packt endlich in die Trickkiste und lässt all die magischen Elfenelemente auftauchen, auf die ich vorher so sehnsüchtig gewartet habe. Birke und ihre Schwestern entdecken schließlich doch noch außergewöhnliche Fähigkeiten an sich und es liegt ganz an ihnen, ob sich diese als Fluch oder Segen entpuppen mögen. Durch die phantastische Atmosphäre und die Aufdeckung eines schockierenden Geheimnisses entwickelt sich „Schicksalstanz“ auf den letzten Seiten zu einem außergewöhnlichen Lesegenuss, wie ich ihn mir zu Beginn des Buches gewünscht habe.

Mit gerade einmal 282 Seiten liest sich „Schicksalstanz“ recht schnell. Nicole Boyle Rødtnes‘ prägnanter Schreibstil und die bündigen Kapitel tragen einen bedeutsamen Teil dazu bei. Innerhalb dieser kurzen Zeit ein durchdringendes Elfenabenteuer zu erwarten, war sicherlich nicht ganz realistisch. Dennoch hätte die Autorin mehr aus ihrem Auftakt herausholen können. Sie hat interessante Charaktere entwickelt, denen es noch an Tiefe und Bedeutung fehlt. Viele Figuren haben mit Schicksalsschlägen zu kämpfen, auf die Nicole Boyle Rødtnes näher hätte eingehen sollen. Auch ihre Welt, die mit den stimmungsvollen Elementen durchaus zu faszinieren weiß, hätte stärker in den Vordergrund rücken sollen, während die doch sehr stereotype Liebesgeschichte einen viel zu großen Raum in der Geschichte einnimmt. Trotz meiner Kritik habe ich mich zwischen den Seiten von „Schicksalstanz“ unterhalten gefühlt. Für die Fortsetzung erwarte ich aber nun, dass die Autorin an ihren guten Ansätzen feilt.

Fazit:

„Schicksalstanz“, der Auftakt der „Die Töchter der Elfe“-Trilogie von Nicole Boyle Rødtnes, ist ein solides Fantasy-Jugendbuch, das mich nach einem schwächelnden Anfang und einem sehr stereotypen Mittelteil leider erst gen Ende begeistern konnte. Die Geschichte um die drei Elfenschwestern entwickelt sich sehr schnell zu einer Liebesgeschichte, wie man sie in fast jedem Jugendbuch findet, während die so stimmungsvollen magischen Elemente und die interessanten Facetten der einzelnen Charaktere viel zu stark in den Hintergrund rücken. In den letzten Kapiteln konzentriert sich die Autorin aber voll und ganz auf die Elfen. Sie schockiert mit düsteren Geheimnissen und zeigt, dass unter der Oberfläche noch einiges verborgen liegt, das entdeckt werden will. In der Fortsetzung „Unheilsblick“ muss Nicole Boyle Rødtnes nun nur noch weiterführen, was sie so bedeutungsvoll begonnen hat. Für „Die Töchter der Elfe: Schicksalstanz“ vergebe ich 3 Lurche.

Über die Autorin:

Nicole Boyle Rødtnes, geb. 1985, gründete 2002 den Verein »Hoffnungsvolle junge Schriftsteller«, der zahlreiche erfolgreiche dänische Schriftsteller hervorgebracht hat. 2010 debütierte sie mit dem Roman »Dødsbørn«, dem ersten Band einer Serie, der bei einem kleinen Verlag herauskam und schnell sehr erfolgreich wurde.

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