Märchenwoche: Tag 06 - Eine dunkle & GRIMMige Geschichte


Es waren einmal sieben buchverrückte Bloggerinnen, die so vernarrt in Märchen waren, dass sie sich zusammenschlossen, um diese Liebe in das Netz hinauszutragen. Sie alle nahmen sich eines Themas an, das ihnen besonders am Herzen lag, und tourten Tag für Tag von Blog zu Blog ... Wäre unsere Märchenwoche ein Märchen der Gebrüder Grimm, hätte unsere Geschichte sicherlich so oder so ähnlich begonnen. Heute sind wir schon am sechsten Tag unserer Märchen-Tour angelangt und ich möchte euch heute ein Buch vorstellen, das mein Leserherz damals im Sturm erobert und mich seither nicht mehr losgelassen hat! Und weil sich um jedes Märchen auch ein Geheimnis rankt, sind in diesem Beitrag wieder einige Buchstaben markiert, die ihr euch herausschreiben solltet, um am Ende unserer Märchenwoche etwas gewinnen zu können.


Donnerstag, der 10. November 2011

Es war einmal ein Buch, das war mir auf den ersten Satz sympathisch. Sein Titel lautete "Eine dunkle und grimmige Geschichte". Innerhalb seiner zwei Buchdeckel war eine Erzählung versteckt, die es schaffen sollte, einen festen Platz in meinem Lieblingsbücher-Regal zu erlangen. Aber das wussten wir beide am Anfang noch nicht, das Buch und ich. Nunja, es hat es sicher schnell geahnt, denn es kennt sich selbst schließlich am besten, und als ich ihm erzählte, dass ich Märchen liebe, hat es mich schon glückselig angelächelt. "Komm!", sagte da das Buch zu mir und hielt meine Hände an sich fest, "Lies mich schnell weiter! Ich denke, ich werde dir gut gefallen!" So glaubte ich ihm und las.

Während ich das Buch las, durchquerten wir viele verschiedene grimmsche Märchen ("Hänsel und Gretel", "Der treue Johannes", "Der Räuberbräutigam", "Die sieben Raben", ...) und in jedem von ihnen trafen wir Hänsel und Gretel. Das Buch erklärte mir, dass die beiden tapferen Geschwister die Hauptcharakter seiner Geschichte seien und dass sein Autor Gidwitz all die Märchen miteinander verwoben habe, um eine neues, einzigartiges Märchen zu schaffen. Anerkennend nickte ich und sagte zu dem Buch: "Dies ist ihm gut gelungen! Dank seines Schreibstils fühle ich mich hier wie in einem echten Märchen der Gebrüder Grimm. Gidwitz hat die unterschiedlichen Geschichten so geschickt verknüpft. Ich mag kaum glauben, dass sie eigentlich eigenständige Märchen sind, die nichts miteinander zu tun haben! Und dein Autor hat mit seinen Hauptcharakteren eine kluge Wahl getroffen, Buch! Sie sind tapfer und sympathisch. Ich begleite sie gerne auf ihrem Abenteuer und bin stets gespannt, wie es weitergeht. Auch die Nebencharaktere treffe ich mit Freude. Jeder hat seinen eigenen Reiz, selbst die Bösen!"

Auf unserer Reise stießen wir sogar oftmals auf Adam Gidwitz persönlich, den Schreiber des Buches. Stets einen charmanten und witziges Spruch auf den Lippen, kommentierte er das momentane Geschehen, das ich las. Ich freute mich auf jede Begegnung mit ihm, denn seine Anmerkungen gaben dem Buch eine ganz besondere Atmosphäre; es wurde dadurch lebendiger und persönlicher.

Unser Leseabenteuer führte uns durch sehr viele blutige, brutale und grausame Szenen. Das Buch schenkte mir stets ein besorgtes Lächeln. "Ich hoffe, es geht dir gut?", fragte mich das Buch und erklärte weiter: "In den neuen Märchenerzählungen sind diese Stellen gestrichen worden, denn man sagt, sie seien zu brutal für Kinder." Ich schüttelte heftig mit dem Kopf und sagte: "Aber, aber, liebes Buch! Durch die Art, wie du sie erzählst, sind sie überhaupt nicht schlimm! Kinder halten das aus, glaube mir!" Das Buch war sichtlich erleichtert, als wir weiterzogen.

Je näher die letzte Seite rückte, desto trauriger wurde das Buch. "Hach", seufzte es, "nun habe ich dir bald nichts mehr zu erzählen. Du wirst mich zuschlagen und zu all den anderen Büchern stellen. Sicherlich wirst du mich bald vergessen haben." Ich war entsetzt. Ich hatte mich so sehr von seinen Geschichten in den Bann ziehen lassen, dass ich während des Lesens ganz vergessen hatte, auf die Seiten des Buches zu achten. Es waren nur noch wenige übrig, denn die anderen hatte ich gierig verschlungen. Zu amüsant und zu märchenhaft war die Geschichte gewesen, die mir das Buch erzählt hatte.

"Komm!", sagte ich da zu dem Buch und hielt es fest in meinen Händen, "Ich habe ein kleines Geschenk für dich, denn ich möchte dir für die schöne Zeit danken, die du mir geschenkt hast. Bei dir habe ich mich wieder wie ein Kind gefühlt, das mit einer heißen Schokolade am Kamin sitzt und dem talentierten Großvater beim Märchenerzählen zuhört. Deshalb habe ich einen ganz besonderen Platz in meinem Regal für dich, damit ich dich jeder Zeit wieder lesen kann. Ich denke, er wird dir gut gefallen!" So stellte ich das Buch, das nun glückselig lächelte, in das Regal neben meinem Bett, wo es nah bei mir blieb und ich es schnell erreichen konnte. Und wenn das Buch und ich nicht gestorben sind, dann lese ich es noch heute.

Ende. (Naja, fast.)


Eine dunkle und grimmige Adaption

Es ist 4 Jahre und 109 Tage her, dass ich meine etwas andere Rezension zu dieser etwas anderen Märchenadaption geschrieben hat. Sage und schreibe 1570 Tage sind seither vergangen - und obwohl in dieser langen Zeit unheimlich viel in meinem Leben passiert ist und sich vieles verändert hat, würde ich jedes meiner Worte von damals genau so unterschreiben. Während ich "Eine dunkle & GRIMMige Geschichte" von Adam Gidwitz zur Vorbereitung auf unsere Märchenwoche erneut las, mich zum wiederholten Male in diese wundervoll düstere Adaption habe fallen lassen, wusste ich: Auch nach all der Zeit löst dieses Buch in mir noch immer die gleiche Begeisterung aus und lässt mein Märchenherz höher schlagen! Und so sehr ich mich auch bemüht habe, so viele Textanfänge ich für diesen Beitrag begonnen habe, ich könnte meine Liebe zu diesem Buch einfach nicht besser ausdrücken als in meiner Rezension.

"Ein dunkle & GRIMMige Geschichte" von Adam Gidwitz ist im September 2011 im Verlag arsEdition erschienen, ist mir aber weder damals noch in der Zeit bis heute auf vielen Blogs oder in der Buchhandlung begegnet. Woran lag's? War die Geschichte den meisten Buchhändlern doch zu brutal, um sie guten Gewissens an Eltern zu verkaufen oder sie Kindern zu empfehlen? "Eine dunkle & GRIMMige Geschichte" wurde auf der Leipziger Buchmesse sogar mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet, warum also hat sich das Buch nicht auf dem deutschen Markt durchgesetzt? "Eine dunkle & GRIMMige Geschichte" lässt sich prima als Einzelband lesen, in den USA gibt es trotzdem zwei Folgebände - und Adam Gidwitz hat wirklich prominente Fans auf seiner Seite:

»Diese wundervolle, gruselige Nacherzählung der Märchen der Gebrüder Grimm verhält sich zu den sonst üblichen Kindergeschichten ungefähr so wie eine Axt zu einem Buttermesser. Mein Rat: einfach lächeln und nicken und den Eltern erzählen, dass das hier nur ein gewöhnliches Märchenbuch ist.«
Pseudonymius Bosch, Autor von Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis

»Adam Gidwitz schafft es, die gruselige Gewalt, die in den alten Märchen der Brüder Grimm enthalten ist, mit wunderbar viel Humor und einem großartigen Gespür für Spannung auszubalancieren […] Er webt Grimms Märchen zu einer einzigen Geschichte mit Hänsel und Gretel als Hauptfiguren zusammen und das macht er so gut, dass man nach der Lektüre davon überzeugt ist, dass die alten Geschichten so und nicht anders erzählt werden sollten.«
Rick Riordan, Autor der Percy Jackson-Serie

Rick. Riordan. Liebt. Dieses. Buch. Und ihr werdet es auch, da bin ich mir sicher. Gebt dieser dunklen und grimmigen, aber so herrlich humorvollen und großartigen Adaption eine Chance! Als eBook gibt es "Eine dunkle & GRIMMige Geschichte" in allen gängigen Online-Shops zum Download, die toll gestaltete Printversion gibt es mittlerweile leider nur noch im modernen Antiquariat oder gebraucht im Internet zu erwerben. Der Vorteil: Ihr bekommt dieses Buch im wahrsten Sinne des Wortes für'n Appel und 'n Ei. Was kann da schon schiefgehen? Und vielleicht ergeht es euch beim Lesen ja wie mir:

Es war einmal ein Buch, das war mir auf den ersten Satz sympathisch ...

Die Stationen der Märchenwoche

22.02.2016 / Montag / Die Literatouristin / Märchen der Welt
23.02.2016 / Dienstag / Das Bücherchamäleon / Un-Happy End
24.02.2016 / Mittwoch / Liberiarium / Gewalt in Märchen und der Spiegelwelt
25.02.2016 / Donnerstag / Life in Petricolour / 1001 Nacht
26.02.2016 / Freitag / Novembertochter / Der Fluch der Spindel
27.02.2016 / Samstag / Leselurch / Eine dunkle und grimmige Adaption
28.02.2016 / Sonntag / Welt der Bücher / Die 13te Fee

Kommentare:

  1. Danke für die Vorstellung des "dunklen und grimmigen" Buches -- klingt sehr interessant. Ich werde es mir bestimmt mal von der Bibliothek ausleihen!

    Liebe Grüße,
    Birgit

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    1. Liebe Birgit, das freut mich! Ich hoffe, du wirst es in der Bibliothek auch finden! ;)

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  2. Oh mein Gott. Deine Rezension ist grandios und ich hätte sie sicherlich auch wieder "ausgegraben" für diesen Zweck. Ein wundervoller Post und deine Begeisterung für das Buch ist geradezu ansteckend. <3

    Ich habe mich übrigens sehr gefreut dich heute persönlich zu treffen. Es war so ein schöner Abend. :D

    Liebe Grüße
    Patty

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    1. Liebste Patty, vielen vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Das ehrt mich sehr!

      Mich hat es auch total gefreut. Hier besteht Wiederholungsbedarf! :D Die Zeit war doch viel zu kurz. :)

      Liebe Grüße!

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  3. Tolle Rezension <3 Ich hab das Buch auch vor ca. 2 Jahren gelesen und geliebt, echt schade, dass es in Deutschland so wenig bzw. gar keine Aufmerksamkeit bekommt.

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  4. Hach, wie toll! Ich hatte es schon zu Beginn der Blogtour auf der Wunschliste, aber das Verlangen danach ist jetzt definitiv gestiegen!

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  5. Tolle Rezension! Ich habe Marchen immer gern gelesen.

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  6. Eure Märchenwoche ist eine wirklich schöne Idee, da wäre ich gern dabei gewesen ♥ ganz toll!

    Eine wunderwundervolle Rezension! ♥ Das Buch spricht mich gerade sehr an, dank deiner besonderen Art, es vorzustellen. Ich werde mich danach mal auf dem Gebrauchtmarkt umsehen. Manchmal hat man ja Glück und ergattert ein nahezu neues Exemplar. So schön, wenn es Bücher schaffen, auch Jahre nach dem Lesen noch dieses gewisse Gefühl zu entfachen. So ging es mir mit "Wunder", aber auch mit Calpurnia.

    Danke für dieses Leseerlebnis am Wochenende :)

    Liebe Grüße
    Sandra

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