Rezension: "Verity heißt Wahrheit"

Jeannie Waudby // Eva Riekert // Chicken House // 400 Seiten // gebunden // 18,99€ // 9783551520814 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Die 16-jährige K lebt in einer gespaltenen Gesellschaft. In einer Zeit voller Gewalt und Misstrauen leben die radikalen Brotherhoods neben den Residents und sorgen für Angst und Terror. K, die als Kleinkind durch einen Anschlag der Brotherhood zum Waisenkind geworden ist, zögert nicht lang, als sie die Chance erhält, dem Schrecken ein Ende zu setzen. Sie gibt sich als Hood-Mädchen aus und spioniert in verfeindeten Reihen. Ihr Leben steht dabei auf dem Spiel – oder? Je mehr Zeit sie bei der Brotherhood verbringt, desto mehr Fragen drängen sich K auf. Die Menschen, die sie kennenlernt, sind keine Mörder. Schon bald weiß K nicht mehr, wem sie trauen kann. Wer spielt hier das falsche Spiel?

Meine Meinung:

Mit „Verity heißt Wahrheit“ bringt Debütautorin Jeannie Waudby eine neue Dystopie auf den Markt, die sich innerhalb eines Einzelbandes mit Terrorismus und Gesellschaftskritik auseinander setzt. Die Verfeindung zweier Gruppierungen, die die Interessen der anderen nicht akzeptieren können oder wollen, ist ein Thema, das sich seit jeher in der Literatur widerfindet und derzeit auch die Medien beherrscht. Mich hat die Autorin damit augenblicklich neugierig gemacht, aber die Begeisterungsstürme blieben leider aus.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der 16-jährigen Protagonistin K, die als kleines Kind ihre Eltern durch einen Anschlag verloren hat und nun nach dem Tod ihrer Großmutter in verschiedenen Heimen aufwächst. Nach einem erneuten Attentat, dem sie selbst nur haarscharf entkommt, trifft sie auf Oskar, einen Polizisten, der gegen die Brotherhood kämpft. Er gibt der perspektivlosen K die Chance, sich dem Kampf anzuschließen und sich als Spionin in einer Brotherhood-Schule einzunisten. Im Grunde hat K nichts zu verlieren – und ihr Wunsch nach Vergeltung tut sein Übriges: K sagt zu. K agiert von Anfang an als authentische und nachvollziehbare Protagonistin, sodass sie mir als Figur schnell ans Herz gewachsen ist. Obwohl sie im Verlauf der Handlung einige Fehler macht, für die ich sie gerne an den Schultern gepackt und geschüttelt hätte, hat K stets so gehandelt, wie es zu ihrem Charakter und ihrer Geschichte passt.

Was K an Tiefe und Ehrlichkeit mitbringt, habe ich bei den anderen Figuren meist vergeblich gesucht. Jeannie Waudby erzählt nicht viel über ihre Nebencharaktere, fixiert sich auf den roten Faden ihrer Geschichte und ihre Protagonistin. Dabei gibt es in „Verity heißt Wahrheit“ eine große Palette an unterschiedlichen Persönlichkeiten, sowohl aus den Riegen der Brotherhood als auch aus den Reihen der Residents, über die man gerne mehr erfahren hätte. So viele Hintergründe, Absichten, Träume und Wünsche, die im Verborgenen bleiben, obwohl die Figuren die Leser mit ihren vielfältigen Facetten neugierig machen! Während ich es vor dem Lesen noch begrüßte, einen Einzelband in den Händen zu halten, habe ich mich später sehr darüber geärgert.

„Verity heißt Wahrheit“ legt mit seinem flotten Erzähltempo die Spannungsmesslatte von Beginn an sehr hoch. Jeannie Waudby zieht ihre Leser mit der ersten Seite mitten ins Geschehen und zieht die Handlung rigoros durch. Durch eine gelungene Mischung aus geballter Action, einer interessanten Suche nach der Wahrheit in einem verzwickten Netz aus Lug und Betrug und einer leicht klischeehaften, aber dennoch unterhaltsamen Lovestory liest sich das Buch schnell von der Hand. Über Längen oder zähe Passagen kann man sich zwischen diesen Buchdeckeln nicht beschweren. Das rasante Tempo macht „Verity heißt Wahrheit“ ganz klar zu einem Pageturner, dafür verliert die Handlung an Tiefe, was in Hinblick auf das kritische Setting unerlässlich sein sollte. Leider spart die Autorin, wie auch bei den Nebencharakteren, an den falschen Stellen an Details und Informationen.

Fazit:

Mit „Verity heißt Wahrheit“ bereichert Jeannie Waudby den Buchmarkt um eine weitere Dystopie, die sich durch ein extremistisches Setting von der Konkurrenz abzuheben versucht. Der gewaltvolle Kampf zwischen der Brotherhood und den Residents, zweier verfeindeter Gruppierungen, und die mit ihm verknüpften Emotionen Wut, Trauer und Angst sorgen für eine gelungene Atmosphäre. Voller Spannung und mit einem flotten Erzählstil bietet Jeannie Waudby ihren Lesern einen tollen Pageturner, der für kurzweilige Lesestunden sorgt. Langfristig in Erinnerung bleiben wird „Verity heißt Wahrheit“ bei mir aber nicht. Abgesehen von Protagonistin K, die Jeannie Waudby großartig herausgearbeitet hat, bleiben die Figuren zu blass und die Handlung ohne Tiefe. Es fehlte mir an entscheidenden Details und Informationen, durch die man viel mehr aus der Geschichte hätte herausholen können. Nichtsdestotrotz bekommt das Buch eine Leseempfehlung ausgesprochen, denn Spaß macht das Schmökern zwischen diesen Buchdeckeln definitiv! Für „Verity heißt Wahrheit“ vergebe ich 3 Lurche.

Kommentare:

  1. Huhu =)
    Mir hat das Buch im Großen und Ganzen recht gut gefallen, aber ich kann auch wirklich jeden deiner Kritikpunkte nachvollziehen.
    Die Lovestory ist wirklich ziemlich klischeehaft und K hat wirklich ab und an etwas naiv gehandelt/gedacht ;)

    LG ♥
    Anna

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  2. hey,

    ich hab bis jetzt fast nur sehr positive Meinungen zu dem Buch gehört, aber es trotzdem noch nicht gekauft^^
    Ich finde, du beschreibst sehr gut, was dir nicht an dem Buch gefallen hat. Da du trotzdem eine Kaufempfehlung aussprichst, bin ich jetzt fast versucht, es gleich sofort zu kaufen, obwohl ich diesen Monat ne Kauf-Pause einlege^^

    Liebe Grüße
    Lena

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  3. Hallihallo! :)

    Von der Dystopie hab ich noch gar nichts gehört! Schade, dass dich Verity nicht so ganz überzeugen konnte... Ich hoffe, dein nächstes Buch ist wieder ein Highlight! :)

    LG ✨ Nana

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