[BotM] Wie das Licht von einem erloschenen Stern (3)


Am vergangenen Mittwoch habe ich euch in meinem Beitrag Vega vorgestellt, die Protagonistin aus "Wie das Licht von einem erloschenen Stern". Sie leidet unter Aphasie, kann kaum noch lesen, schreiben, sprechen. Für Vega ein wahrer Albtraum. Aber wie gehen ihre Mitmenschen damit um?

Ich habe es zum Kotzen satt, dass niemand mehr mit mir redet. Sie reden mit Mama, mit Charlotte über mich, aber nicht mit mir.
(S. 34)


Der plötzliche Verlust ihrer Sprachfähigkeit stellt nicht nur Vega vor große Herausforderungen. Wie geht man mit jemandem um, der nicht viel mehr als "Hallo" und "Gut" sagen kann, bei längeren Sätzen nur unsinniges Gebrabbel von sich gibt? Die Belastung sitzt auch Vegas Familie und Freunden tief in den Knochen und sorgt für eine Distanz, die die Aphasie für Vega noch unerträglicher macht.

Vegas Mutter spielt vor ihrer Tochter eine gute Miene zum bösen Spiel. Sie versucht sich nichts anmerken zu lassen und für Vega eine Stütze zu sein, stürzt sich von einem Sachbuch über Aphasie ins nächste, verschlingt jede Art von Ratgeber oder nützlicher Information, aus der sie Hoffnung für ihre Tochter schöpfen kann. Doch diese starke Seite ist nichts als eine Maske, hinter der sich eine angespannte und verzweifelte Mutter versteckt, die sich für Vega doch nur das Beste wünscht. Sie greift nach jedem Strohhalm, den sie finden kann, während Vegas Schwester Alma ihre Verzweiflung viel offener zur Schau stellt. Auch Alma will unbedingt, dass ihre große Schwester wieder gesund, normal, wird, leidet in ihrem jungen Alter aber sehr unter ihrer brabbelnden Schwester. Sie hat jene Phasen, in denen sie sehr enthusiastisch nach Möglichkeiten sucht, mit Vega zu üben, und solche, in denen sie sich zurückzieht und niemanden mehr an sich heranlässt.

Ich schließe die Augen und genieße es, dass es Dinge gibt, die selbst dann noch möglich sind, wenn man nicht sprechen kann. Wir haben nie so viel Sex gehabt wie seit meinem Unfall. Nur dabei komme ich mir noch immer normal vor. Nur dabei enttäusche ich ihn nicht.
(S. 23)


Vor ihrem Unfall war Vega in einer glücklichen Beziehung mit ihrem Freund Johan. Er ist kultiviert, politisch interessiert, Teil des Schülerrates und Vega hat es immer so sehr genossen, seinen Reden zu lauschen. Die Aphasie hat jedoch eine Kälte in ihre Beziehung gebracht, die sich immer weiter ausbreitet. Vega spürt sehr schnell, dass Johan sich immer weiter von ihr distanziert, und versucht ihre Liebe mit Zärtlichkeiten statt Worten zu retten. Ihn solange nicht zu verlieren, bis sie ihre Sprache zurückgewonnen hat. Vegas beste Freundin Ida dagegen kommt erstaunlich gut mit Vegas Krankheit zurecht. Sie ist eine Mutmacherin, aber sich immer wieder aufrappelt - auch dann, wenn es Vega nicht gelingt. Sie drückt ihre Hand, übernimmt das Sprechen für sie, nimmt sich Ruhe und Zeit, um Vega zu verstehen. So gut sie kann.

Jeder in Vegas Umfeld geht anders mit ihr um. Jeder versucht, Verständnis und Geduld für sie aufzubringen, doch das ist leichter gesagt als getan. Die Distanz ist allgegenwärtig - nur nicht bei Theo, den Vega während eines Workshops für Betroffene kennenlernt. Er ist der einzige, der Vega tatsächlich verstehen, ihr nachempfinden kann. Wie Theo Vega durch diese schwere Zeit hilft, wie Vega und ihre Freunde und Familie mit der Krankheit umzugehen lernen und wer der Belastung nicht gewachsen ist - all das erfahrt ihr nur, wenn ihr euch "Wie das Licht von einem erloschenen Stern" auf die Leseliste schreibt. Es lohnt sich!

1 Kommentar:

  1. Hallo Lurchi,

    ich kenne dieses Buch auch schon. Ich fand es echt richtig gut.
    Die Geschichte ist einzigartig, es fiel mir schwer zu nachvollziehen wie man sich wohl fühlen mag, wenn du dich plötzlich nicht mehr äußern kannst.

    Liebe Grüße
    Riri

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