Rezension: "Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte"

Crystal Chan // S. Knuffinke, J. Komina // Magellan // 304 Seiten // gebunden // 14,95€ // 9783734847035 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Geburtstage sind für Jewel kein Grund zur Freude. Denn an dem Tag, an dem sie vor nun 13 Jahren auf die Welt gekommen ist, ist ihr Bruder Bird gestorben. Und ihr Großvater hat ihn getötet: Bird, der eigentlich John hieß, ist von der Klippe gesprungen, weil er durch seinen Opa dachte, er könne fliegen. Seitdem hat Jewels Großvater kein Wort mehr gesprochen. Stumm fristet er sein Dasein in seinem Zimmer, in dem er sich völlig verschanzt. Als Jewel eines Tages einen Jungen namens John kennenlernt, der all ihre wirren Gedanken und Gefühle verstehen kann, ändert sich plötzlich alles. Jewels Großvater beginnt, sich seltsam zu verhalten, als wäre John ein böser Geist. Jewel erkennt ihn kaum wieder, aber hat sie ihren Großvater je wirklich gekannt? Noch ahnt Jewel nicht, welche Geheimnisse ihre Begegnung mit John aufdecken wird…

Meine Meinung:

Es gibt Bücher, die man liest und dann wieder vergisst. Dann gibt es Bücher, die man verschlingt und die man gerne wieder aus dem Regal zurückholt. Und dann gibt es Bücher wie „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“, die man nicht liest, sondern erlebt, und die etwas in einem hinterlassen, das einen noch lange durchs Leben begleitet. „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ ist eine unglaubliche Geschichte über das Leben und seinen Wert, über die Bedeutung von Freundschaft und Familie, die Suche nach sich selbst und den unerträglichen Schmerz des Verlusts.

„Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ steckt voller Magie – sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Übersinnliches, wie etwa Geister, spielen durchaus eine entscheidende Rolle für Jewel und ihre Familie. Für wie glaubhaft man die Geister und die mysteriösen Ereignisse hält, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Die Autorin hält sich dabei bewusst zurück! Die Magie, die Crytal Chan durch ihre eindringlichen und poetischen Worte über die Buchdeckel hinaus aufleben lässt, ist allerdings alles andere als bloß Betrachtungssache.

Jewel ist eine ganz besondere Protagonistin. Stark, mutig und fest entschlossen, später einmal Geologin zu werden, schleicht sich Jewel mit ihren tiefgründigen Gedanken direkt in das Herz eines jeden Lesers. Für ihr junges Alter wirren sich viel zu viele bunte Gedankenfäden in ihrem Kopf, die nicht nur sie selbst beschäftigen, sondern auch über die Seiten hinaus zum Nachdenken bewegen. Jewel ist eine Protagonistin, von der man noch viel lernen kann. Ein sanftes Mädchen mit großem Herzen, das sich die Welt auf ihre Weise erträglich macht.

Neben Jewel gibt es in „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ noch zahlreiche weitere Charaktere, die Crytal Chan nicht zu kurz kommen lässt. Eine ganz große Rolle spielt dabei vor allem John, Jewels neuer bester Freund. Er ist der schlauen Protagonistin mit seinen klugen Gedanken gar nicht mal so unähnlich und wickelt einem mit seiner frechen und eigensinnigen Art schnell um den Finger. Dass John – ausgerechnet ein Junge namens John! – genau dann auftaucht, wenn Jewel einen Freund braucht, lässt jeden seiner Schritte mysteriös erscheinen.

Jewels eigenbrötlerische Familie dagegen betrachtet man zunächst sehr skeptisch. „Typisch Erwachsene“ fehlt ihnen der Zugang zu Jewels ganz eigener Sicht auf die Welt. Im Verlauf der Geschichte lernt man sie jedoch immer wieder neu kennen. Warum ist Jewels Vater so besessen von Duppy-Geistern, ihre Mutter so verschlossen? Und warum kann sich ihr Großvater nach all den Jahren noch immer nicht dazu überwinden, wieder zu sprechen? Jede Person in Chans Buch hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Beweggründe, die aus ihr viel mehr macht als eine fiktive Romanfigur.

Die Freundschaft zwischen Jewel und John ist ebenso einzigartig und besonders wie die beiden jungen Charaktere selbst. So speziell und sonderbar sie sich kennenlernen, so entwickelt sich auch ihre Freundschaft. Auf authentische und berührende Art wachsen die beiden immer enger zusammen und entdecken die Welt auf ihre Weise. Selbst Erwachsene lernen durch Jewel und John, dass man sein Leben und die Dinge, auf die man stößt, ganz anders wahrnehmen kann, dass man wieder mehr in ihnen sehen kann. Im Verlauf der Geschichte wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, die sowohl Jewel und John viel abverlangt als auch das Herz des Lesers anspricht.

Fazit:

In „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ von Crystal Chan steckt so viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Es ist eine Geschichte über Verluste, über den Schmerz und die Schwere, über das, was das plötzlich eingerissene Loch im Herzen mit Menschen machen kann. Es ist eine Geschichte über die Traurigkeit, aber auch über das Leben und die Kraft, weiterzumachen. Unbedingt lesen! Für „Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte“ vergebe ich 5 Lurche.

1 Kommentar:

  1. Hallo Simone,
    dieses Buch hatte ich mir beim vorletzten TTT vermerkt und hoffe sehr, dass ich demnächst zum Lesen komme.
    Deine wirklich sehr ansprechende Rezension bestärkt mich in meinem Wunsch.
    Dankeschön.
    Liebste Grüße und eine wundervolle Woche wünsche ich dir ;-)
    Hibi

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