Rezension: "Holmes und ich - Die Morde von Sherringford"

Brittany Cavallaro // Anja Galic // dtv // 368 Seiten // gebunden // 16,95€ // 9783423761369 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Jamie Watson ist alles andere als zufrieden mit seiner Situation: Er musste sein geliebtes London und seine Familie verlassen, um einen Platz in einem Elite-Internat an der amerikanischen Ostküste anzunehmen. Ausgerechnet sein Talent für Rugby hat ihm sein Stipendium beschert – dabei kann er den Sport nicht einmal sonderlich leiden. Einen Lichtblick an der neuen Schule gibt es für Jamie allerdings: Endlich wird er auf Charlottes Holmes treffen, die Urururenkelin des legendären Sherlock Holmes. Schon immer war Jamie fasziniert von der Verbindung ihrer Familien, und als er Charlotte ihm das erste Mal persönlich gegenüber steht, ist er augenblicklich von ihr hingerissen. Dabei hat die echte Charlotte Holmes nur wenig mit seiner Traum-Charlotte zu tun! Nur wenige Tage nach ihrer ersten Begegnung kommt es zu einem unangenehmen Zwischenfall an der Schule – und bald darauf wird einer ihrer Mitschüler tot aufgefunden. Charlotte und Jamie stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen, gelten plötzlich sogar als die Hauptverdächtigen! Für Holmes und Watson ist schnell klar: Nun liegt es an ihnen, den Mordfall aufzuklären und ihre Unschuld zu beteuern…

Meine Meinung:

Sherlock Holmes und John Watson gehören zu den beliebtesten fiktiven Charakteren unserer Zeit und sind spätestens durch die BBC-Serie „Sherlock“ wieder in aller Munde. Brittany Cavallaro bezeichnet sich selbst als einen riesengroßen „Sherlock“-Fan und so hat sie den Hype um die Charaktere und die Geschichte genutzt, um sich an ihrem ersten Jugendbuch zu versuchen. „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ ist der Auftakt einer neuen Reihe, in der die Urururenkel des berühmt-berüchtigten Duos die Hauptrolle spielen.

Der sechzehnjährige James „Jamie“ Watson ist der Erzähler des Romans. Er ist ein sympathischer und umgänglicher junger Kerl, der um jeden Preis Schriftsteller werden will – wie schon sein Urururgroßvater Dr. John Watson vor ihm. Er hat Talent, ist sich aber oft unsicher und nimmt sich lieber zurück. Das merkt man vor allem im Umgang mit Charlotte, die in ihrer Freundschaft den Ton angibt und Jamie immer wieder ins Staunen geraten lässt. Dass Watson allerdings auch anders kann, beweist er in „Holmes und ich“ recht früh: Er trägt das Herz am rechten Fleck und hasst es, wenn sich jemand aufspielt oder seinen Freunden gegenüber falsch verhält. Hat man Jamie Watson erst einmal in Rage gebracht, platzt ihm schnell der Kragen – und dann lässt er auch schon mal die Fäuste sprechen.

Charlotte Holmes ist mit Leib und Seele Urururenkelin des großen Sherlock Holmes. Sie ist ein Genie, eine Künstlerin der Deduktion, gesegnet mit einer unfassbar genauen Beobachtungsgabe. Ihr macht keiner etwas vor – niemals! Doch ihr detektivischer Spürsinn ist nicht das einzige, das sie von ihrem berühmten Vorfahren geerbt hat. Sie ist ebenso distanziert und reserviert, arrogant und eingebildet, überheblich und von sich selbst überzeugt, wie es alle Holmes in ihrer Familie sind. Warum Watson sich so schnell von Charlotte um den Finger wickeln lässt, ist einem als Leser nicht ganz klar: Eine gemeinsame Geschichte verbindet, zweifelsohne, aber Charlotte ist alles andere als nette Gesellschaft. Sie ist kühl, lässt niemanden an sich heran, und ihre Drogensucht ist ein Laster, das sich auch sehr deutlich auf ihren Charakter auswirkt.

Jamie und Charlotte sind ihren literarischen Vorbildern äußerst ähnlich. Man merkt deutlich, dass sich Brittany Cavallaro im Sherlock-Universum auskennt, und das schlägt sich nicht bloß in den vielen Plot-Parallelen nieder. Jamie ist ein ganz typischer „Watson“, der für Holmes tiefste Bewunderung hegt, ebenfalls die Rolle des Erzählers einnimmt und wie auch sein Vorbild als attraktiv beschrieben wird, und auch Charlotte ist ganz eindeutig eine Holmes: Ihre Genialität, ihr musikalisches Talent auf der Violine und ihr äußerst bedenklicher Drogenkonsum gehören zu den eindeutigsten Eigenschaften, die man auch Sherlock Holmes zusprechen kann. Jamie und Charlotte grenzen sich nicht so deutlich von ihren Vorfahren ab, wie man es vielleicht erwartet hätte, und sind deshalb vor allem für alteingesessene Sherlock-Fans interessante Protagonisten.

So interessant Jamie und Charlotte auch sein mögen, ich persönlich hatte so manches Mal meine Schwierigkeiten mit ihnen. Hastige Entwicklungen, nicht nachvollziehbare Entscheidungen und die ohnehin sehr kontroversen Charakterzüge Charlottes haben mich meist eher verwirrt als begeistert zurückgelassen. Eine Bindung zu den Figuren aufzubauen fiel mir schwer, und auch die Handlung als solche, die mir so manches Mal den falschen Fokus setzte, ließ mich nicht rundum zufrieden an den Seiten kleben. „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ entpuppte sich für mich bereits nach wenigen Seiten als solider Lesespaß, der mit tollen Ideen und Adaptionen aufwartet, aber auch einige Facetten mit sich bringt, die einfach nicht meinen Geschmack getroffen haben.

Die Ähnlichkeiten zu dem literarischen Original machen eine Faszination aus, die vor allem der Atmosphäre des Buches gut tun. Nach „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ hat man definitiv Lust, sich die Werke von Sir Conan Arthur Doyle zu schnappen und nach weiteren Verweisen zu suchen, die Brittany Cavallaro in ihrer Adaption versteckt haben könnte. Cavallaros Schreibstil ist jung, frisch und leicht, sodass man trotz der düsteren Thematik schnell durch die Seiten rauschen kann. Die sehr langen Kapitel tun dem Lesefluss allerdings leider einen kleinen Abbruch, denn „noch schnell ein Kapitel lesen“ funktioniert in „Holmes und ich“ nur mit genügend Lesezeit.

Fazit:

"Holmes und ich - Die Morde von Sherringford" von Brittany Cavallaro ist der Auftakt einer Jugendbuchserie, in der Charlotte Holmes, die Urururenkelin des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, und Jamie Watson, der Urururenkel des berühmten Dr. Watson, in unserer Zeit ihren Vorfahren alle Ehre machen müssen. Ein Mordfall, in dem ausgerechnet sie als die Hauptverdächtigen gelten, zwingt das ungleiche Duo zu eigenen Ermittlungen. Brittany Cavallaro ist ein großer Sherlock-Fan und das spürt man ihrem Jugendbuchdebüt deutlich an. Die vielen Parallelen zum Original sind unverkennbar und versprühen eine Faszination, die dafür sorgt, dass man nach der letzten Seite am liebsten zum literarischen Vorbild greifen möchte. Leider hatte ich mit den Charakteren und der Handlung so manches Mal meine Schwierigkeiten, da sie mit einigen Entwicklungen und Entscheidungen schlichtweg nicht meinen Geschmack getroffen haben. Nichtsdestotrotz hat mir Cavallaro mit Charlotte und Jamie solide Lesestunden beschert. Für „Holmes und ich – Die Morde von Sherringford“ vergebe ich 3 Lurche.

Kommentare:

  1. Hey Simone,

    auf der einen Seite fand ich Charlottes Charakter faszinierend, auf der anderen Seite mochte ich ihre Art nicht wirklich. Ich kann dich also total verstehen.

    Liebe Grüße
    Sandra

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  2. Hallo :)
    Oh, wie schade, dass dich das Buch nicht so überzeugen konnte. Ich hab es total geliebt, weil ich auch so ein Arthur Conan Doyle Fan bin. Bei den langen Kapiteln muss ich dir total zustimmen und auch deine Charakterbeschreibungen sind echt treffend! Mich konnte das Duo fesseln :) Mal sehen, wie viel da noch folgt.
    Echt gut ausgearbeitete Rezension! :)
    Liebste Grüße,
    Julia

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  3. Mir ging es auch ganz genau so! Mich konnte das Buch auch nicht vollends überzeugen, auch, wenn tolle Ansätze da waren :)

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  4. Hey Simone,

    vielen Dank für diese aussagekräftige Rezi! Ich habe "Holmes & Ich: Die Morde von Sherringford" auch erst kürzlich gelesen und ich habe einige Punkte kritisiert, die dir auch nicht gefallen haben. Trotzdem werde ich die Reihe weiterlesen, weil ich doch gespannt bin, wie es nun weitergeht. :)

    Allerliebste Grüße
    Kathi von Lesendes Federvieh

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