Rezension: "Wie der Vater, so der Tod"

Tracy Bilen // Andreas Brandhorst // ivi // 288 Seiten // Klappbroschur // 12,95€ // 9783492702829 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Früher war Saras Vater ein liebevoller Mann, der viel gelächelt hat. Heute ist er ein Monster.
Jahrelang haben Sara und ihre Mutter die brutalen Handgreiflichkeiten ihres Vaters stillschweigend ertragen. Nun findet ihre Mutter endlich die Kraft und den Mut, ihre Sachen zu packen und zu fliehen. Sie will Sara am nächsten Tag von der Schule abholen und mit ihr an einen weit entfernten Ort fahren, wo sie ein neues Leben beginnen können. Ein friedvolles Leben. Doch als Sara am vereinbarten Treffpunkt erscheint, fehlt von ihrer Mutter jede Spur. Aus beruflichen Gründen musste sie kurzfristig verreisen – das behauptet zumindest Saras Vater. Aber Sara befürchtet das Schlimmste...

Meine Meinung:

In ihrem Debütroman behandelt Tracy Bilen viele schwierige und vor allem grausame Themen. Von Selbstmord über physische und psychische Misshandlung - „Wie der Vater, so der Tod“ beschönigt nichts und beginnt unter schockierenden Umständen. Im Vergleich zu dem, was einen als Leser noch alles erwartet, sind die Anfangsszenen allerdings noch milde! Der Einzelband ist ab der ersten Seite schockierend mitreißend und aufregend spannend, sodass man ihn gar nicht aus der Hand legen mag. Dies liegt aber auch an Tracy Bilens tollen Schreibstil, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Die flüssige und leichte Sprache macht „Wie der Vater, so der Tod“ zusammen mit der spannenden Handlung zu einem Pageturner, den man an einem Nachmittag durchschmökern kann, wenn einen die Lust auf jugendlichen Nervenkitzel packt.

Als Jugend-Thriller darf es sich „Wie der Vater, so der Tod“ natürlich nicht erlauben, auf eine Liebesgeschichte zu verzichten. Zwischen Protagonistin Sara und dem attraktiven Alex entwickeln sich rasch starke Gefühle, die sie immer unzertrennlicher werden lassen. Obwohl die Liebesgeschichte ein zügiges Tempo an den Tag legt, hätte sie mir eigentlich gut gefallen können. Sara und Alex, die durch ihr gemeinsames Interesse an Stephen Kings Romanen zueinander finden, erleben ihre Liebe so, wie Teenager es eben tun: intensiv, impulsiv und ein wenig überzogen. Allerdings wäre ich dem Pärchen lieber in einem „Contemporary“-Roman begegnet als in einem Thriller, wie Bilen ihn geschrieben hat. Hier wirkte die eigentlich so schöne Liebesgeschichte mitsamt ihren Auswirkungen auf die Verliebten seltsam, beinahe sogar fehl am Platz. Dass Sara oftmals in Gedanken an Alex' Lippen hängt statt sich um ihre Mutter zu sorgen, hat leider dafür gesorgt, dass die gesamte Beziehung einen unrealistischen Beigeschmack erhielt.

Die sechzehnjährige Sara ist sowohl die Protagonistin als auch die Erzählerin des Romans. Durch ihre Gefühlsduseleien habe ich sie manchmal jünger und naiver eingeschätzt, aber sonst hat mir das Mädchen mit dem schweren Schicksal sehr gut gefallen. Sara ist ein ruhig, zurückhaltend und stets darum bemüht, nicht aufzufallen und nicht den Zorn ihres Vaters zu wecken. Die vergangenen Jahre, besonders der Verlust ihres Bruder, haben sie stark geprägt und zu einer labilen jungen Frau heranwachsen lassen. Das Verschwinden ihrer Mutter ist jedoch ein Knackpunkt, der Sara zum Kämpfen bewegt. Sie vollzieht innerhalb kürzester Zeit eine beeindruckende Entwicklung, die sie mir mit jeder Seite noch sympathischer gemacht hat.

Die Nebencharaktere wirkten bis auf eine Ausmaße blass und farblos, aber für einen Einzelband mit nicht einmal 300 Seiten haben sie mir doch recht gut gefallen. Jeder von ihnen hat eine Bedeutung innerhalb der Geschichte und spielt eine tragende Rolle, die das Geschehen im entscheidenen Moment vorantreiben kann. Besonders Tracy Bilens Darstellung des psychisch kranken Vaters – dem wohl facettenreichsten und komplexesten Charakter des Romans – hat mir gefallen und mich mit ihrer Art vollkommen überzeugt. Wenn eine einzelne Figur mit ihrem Verhalten für eine schaurige Gänsehaut sorgen kann, spricht dies definitiv für sie!

Zartbesaiteten Lesern und jenen, die mit einem „seichten Jugend-Thriller“ in das Genre einsteigen wollen, kann ich von „Wie der Vater, so der Tod“ allerdings nur abraten. Tracy Bilen nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie grausame Szenen beschreibt – und von denen gibt es in diesem Buch einige, die stark auf das Gemüt schlagen! Normalerweise bin ich nicht sonderlich zimperlich, was brutale Schilderungen angeht. Tracy Bilen hat jedoch mit den physischen und psychischen Schlägen, die Sara erleiden muss, eine sehr bedrückende Atmosphäre hervorgerufen, die sich sogar auf meine Stimmung übertragen hat. Dass Sara alles aus ihrer eigenen Perspektive und sehr realitsisch beschreibt, verstärkt die Wirkung zusätzlich. Einige Male habe ich mich sogar dabei ertappt, wie ich das Buch mit zusammengekniffenen Augen gelesen habe: Aus Angst, den schockierenden Tatsachen ins Auge zu sehen!

Fazit:

Mit „Wie der Vater, so der Tod“ ist Tracy Bilen ein grausamer und brutaler Jugend-Thriller gelungen, der unter die Haut geht. Die Autorin hat ihrer Protagonistin Sara mit den schockierenden und komplexen Themen viele schwere, schier unüberwindbare Steine in den Weg gelegt. Doch Sara lässt sich davon nicht unterkriegen: Statt sich noch stärker zurückzuziehen, beginnt sie zu kämpfen. Eine spannende und aufregende Suche nach Saras Mutter beginnt, die mich mit furchtbaren Szenen und ihrer bedrückenden Atmosphäre an die Seiten gefesselt hat. Die Liebesgeschichte – so gut sie mir auch gefallen hat! - wirkte für mich jedoch oftmals fehl am Platz und unrealistisch und hat mich ab und zu an Sara zweifeln lassen. Für „Wie der Vater, so der Tod“ vergebe ich schwache 4 Lurche.

1 Kommentar:

  1. Huhu =)
    Das hört sich ja wahnsinnig gut an!
    Klar ist das blöd, wenn Protas etwas naiver sind, aber ich habe gerade das erste mal von diesem Buch gehört und habe es gleich auf die Wunschliste gesetzt!
    Es hört sich einfach mega spannend an, und das ist es ja anscheinend auch :D

    LG ♥
    Anna

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