Rezension: "Evies Garten"

K. L. Going // Johanna Ellsworth // Baumhaus // 208 Seiten // gebunden // ca. 12,00€ // 9783833901355 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Vor 10 Monaten ist Evies Mutter an Krebs gestorben. Da es ihr Vater nicht länger an einem Ort aushält, an dem ihn alles an seine verstorbene Frau erinnert, packt er kurzerhand seine sieben Sachen und reist ab. Evie muss zwangsläufig mit auf die verfluchte Apfelplantage ziehen, die ihr Vater als ihr neues Zuhause ausgesucht hat, und ist damit alles andere als glücklich. Sie vermisst ihre Mutter, die Elfen und Einhörner zum Leben erwecken konnte und an die Magie geglaubt hat. Mit ihrer Mutter ist all der Zauber aus der Welt für Evie verschwunden. Aber auf der düsteren Apfelplantage wartet ein magisches Abenteuer auf sie, das ihren Glauben wieder aufleben lässt: Gemeinsam mit Alex, einem Geisterjungen, macht sich Evie auf die Suche nach dem Geheimnis hinter dem kleinen Saatkorn, das der Vorbesitzer der Plantage für sie hinterlassen hat.

Meine Meinung:

„Evies Garten“ ist ein Kinderbuch, aber keines von der zuckersüßen Art. K. L. Going behandelt in ihrer Geschichte ein schwieriges Thema, das Jung und Alt tief berührt: den Verlust eines geliebten Menschen. In Evies Fall ist es ihre Mutter, die vor 10 Monaten an Krebs gestorben ist. Sie hat Evie mit ihrem Vater zurückgelassen, der mit dem Tod seiner geliebten Frau selbst nicht zurechtkommt und versucht, durch die Flucht aus dem bekannten Leben wieder zur Normalität zurückzufinden. Evie muss zwangsläufig mit umziehen, steht ihrem Vater aber nicht sonderlich nahe. Und nun steht sie da, einsam auf einer verfluchten Apfelplantage, umringt von einem Friedhof, ganz allein mit ihrer Trauer. Nur der bleiche Junge, der von sich behauptet, ein Geist zu sein, kann sie ablenken.

Die Geschichte liest sich sehr schnell, was nicht nur an den knapp 200 Seiten und den kurzen Kapiteln liegt. K. L. Going legt ab der ersten Seite ein zügiges Erzähltempo an den Tag. Sie hält sich nicht lange mit ausschweifenden Beschreibungen auf und lässt lieber der Handlung ihren Lauf. Trotzdem sorgt die Autorin in „Evies Garten“ für ein tolles Kopfkino-Erlebnis. Jede einzelne Szene schleicht sich während des Lesens in den Kopf, sodass man die Geschichte auf besonders bildhafte Weise genießen kann.

„Evies Garten“ entwickelt sich recht schnell in eine Richtung, die ich von dem Buch zu Beginn nicht erwartet hätte. Die Magie, an die Evies Mutter geglaubt hat, die aber seit ihrem Tod aus dem Leben ihrer Tochter verschwunden ist, nimmt einen großen Part der Geschichte ein. Auf die rundum sympathischen und gelungenen Charaktere – allen voran natürlich Protagonistin Evie, die mich mit ihrem klugen und vernünftigen Köpfchen begeistert hat – wartet ein magisches Abenteuer, bei dem es mehr Geheimnisse aufzudecken gibt als zunächst erwartet.

Trauerbewältigung und der Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen spielen in „Evies Garten“ eine entscheidende Rolle. Die Autorin hat diese Themen in ihrer Geschichte auf eine einfühlsame und magische Art und Weise behandelt, die durchaus zu berühren weiß, ohne dabei eine bedrückende Stimmung aufkommen zu lassen. So gut mir K. L. Goings Umsetzung auch gefallen hat, gänzlich zufrieden bin ich mit ihr nicht. An einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin stärker auf die Ernsthaftigkeit der Themen eingeht und ihre fantastischen Elemente dabei zurückhält.

K. L. Going hat einen wundervollen Schreibstil, mit dem sie mich sofort für sich gewinnen konnte. Sie schreibt sehr leicht und flüssig, wie es sich für ein Kinderbuch gehört, ohne sich in zu komplexe Satzstrukturen zu verstricken. Trotzdem schafft sie es, mit ihren Worten eine zauberhafte Atmosphäre entstehen zu lassen, die einen an die Magie der Geschichte glauben lässt. „Evies Garten“ liest sich wie ein bezauberndes Märchen, dessen Moral K. L. Going ihren Lesern direkt ins Herz schreibt.

Das biblische Paradies, die Geschichte von Adam und Eva, die Versuchung durch den Apfel – all diese religiösen Bilder sind ein Teil von „Evies Garten“. Die Geschichte um Evie weist in vielen Punkten Parallelen zu der Schöpfungsgeschichte auf. Trotzdem ist „Evies Garten“ kein Buch, das einem die christliche Religion oder die Liebe zu Gott nahezulegen versucht. Evie lernt, wie wichtig es ist, seinen Glauben nicht zu verlieren, aber dabei wird keine spezielle Religion erwähnt. Es geht vielmehr um den Glauben an sich selbst, den Glauben an sein Herz, den Glauben an die Liebe.

Fazit:

„Evies Garten“ von K. L. Going ist eine zauberhafte und wunderschöne Geschichte über das Leben und den Tod, die mich mit ihrer eigenen Magie in ihren Bann ziehen konnte. Ich habe mich mit jeder Seite mehr in dieses Buch verliebt, vor allem in Goings Schreibstil, der für eine ganz besondere, magische Atmosphäre gesorgt hat. Aber auch die Charaktere und die Handlung haben mich mit ihrer Einzigartigkeit verzaubert. „Evies Garten“ ist ein tolles Buch, das es schafft, ein schwieriges Thema auf einfühlsame Art zu behandeln, ohne dabei eine bedrückende Stimmung aufkommen zu lassen. Für „Evies Garten“ vergebe ich 4 Lurche.

1 Kommentar:

  1. Oh, was für eine schöne Empfehlung! Das Buch merke ich mir für meine Kleine :-) Das wird ihr sicher gefallen, wenn sie ein paar Jahre älter ist.
    Liebe Grüße,
    Anna

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