#sommerlochklassiker: Der Fänger im Roggen


"Wir stopfen das Sommerloch mit Klassikern!", dachte sich eine Gruppe von Bloggerinnen und tat sich zusammen, um ihre liebsten Klassiker vorzustellen! Ich freue mich, heute auch endlich an der Reihe zu sein und dass ihr vorbeigeklickt habt. Ich habe mich im Rahmen der Aktion allerdings nicht an meinen liebsten Klassiker, sondern an einen bisher noch ungelesenen herangewagt, der mich schon lange gereizt hat ...

J. D. Salinger und seine Werke, vor allem sein berühmter Roman "Der Fänger im Roggen", sind mir schon unzählige Male in meinem Leseleben begegnet – nie jedoch persönlich. Ob in Alice Osemans "Solitaire", etwas dezenter in "YOU" von Caroline Kepnes oder ganz deutlich in "Lieber Mr. Salinger" von Joanna Rakoff. Stets fasziniert von der Wirkung seiner Worte auf andere und seinem zurückhaltenden Leben als Autor, haben mir die Verweise auf J. D. Salinger so manches Buch versüßt. Und das, obwohl ich selbst nie etwas von ihm gelesen hatte! Viel zu lange hat "Der Fänger im Roggen" in meinem Regal geschlummert.


J. D. Salinger // Heinrich Böll // rororo // 158 Seiten // Taschenbuch-Ausgabe von 1966

"Der Fänger im Roggen" erzählt die Geschichte des siebzehnjährigen Holden Caulfield, der zu Beginn seiner Geschichte zum dritten Mal von einem Internat fliegt. Seine Noten waren schlecht – mal wieder –, sein Einsatz ließ zu wünschen übrig – mal wieder –, und selbst an den kleinsten Aufgaben scheitert er. Immer und immer wieder. Dabei sind es weder mangelnde Intelligenz noch fehlende Verantwortung, die Holden nun schon zum dritten Mal durchfallen lassen. Im Gegenteil: Holden hat einen feinen Beschützerinstinkt und ist durchaus ein gescheiter junger Mann. Was ihn in die Knie zwingt, ist seine Umgebung, die Gesellschaft, alles um ihn herum.

Nach dem Rausschmiss fasst Holden den Entschluss, sich ein paar Tage auf eigene Faust durch New York zu schlagen, ehe er zu seinem Elternhaus zurückkehrt. Er steckt in einer Krise, die es ihm unmöglich macht, sich durchzuringen. Er hasst die Schule mit ihren Erwartungen und ihrem Leistungsdruck, er hasst die affektierten und aufgesetzten Menschen mit ihren falschen Worten und ihrem künstlichen Lachen, und er hasst die verlogene Gesellschaft mit ihren perversen Erwachsenen. Sein Hass äußert sich allerdings selten in Wut oder Gewalt. Vielmehr entwickelt er aus seiner Abneigung die Sehnsucht nach Abgeschiedenheit und Verständnis, die im direkten Bezug zu seiner geliebten kleinen Schwester Phoebe mit dem Wunsch einhergeht, sie vor all dem zu beschützen. Holden mag nicht dem entsprechen, was seine Eltern, seine Lehrer und seine Mitschüler von ihm erwarten, aber ein schlechter Mensch ist er nicht. Ihm fehlen feste Bezüge, Halt und ein bisschen Geborgenheit, denn seinen Platz im Leben hat Holden schlichtweg noch nicht gefunden.

Na, kommt euch das alles nicht ziemlich bekannt vor? In meinen Augen ist Holden Caulfields Geschichte ein absolut zeitloser Coming-of-Age-Roman. Obwohl das Buch erstmals im Jahre 1951 erschien und es auch in den 1950er Jahren spielt, überkam mich nie das Gefühl, eine "alte" Geschichte zu lesen. Bis auf ein paar etwas ungewohnte Ausdrucksweisen, die sich in der neuen Übersetzung von Eike Schönfeld drastisch reduziert haben sollten, hätte Holden Caulfield mit seiner Einstellung und Denkweise auch in unserer Zeit leben können. Seine Sorgen und Probleme sind und bleiben aktuell und machen es leicht, sich mit ihm zu identifizieren und mit ihm durch die Seiten seines Lebens zu leiden.

Mich hat "Der Fänger im Roggen" absolut abholen können und mich, den wirklich hohen Erwartungen zum Trotz, nicht enttäuscht. J. D. Salinger hat mit seinem Roman einen eindrucksvollen Blick in den Kopf eines jungen Mannes hinterlassen, mit dem sich auch heute noch viele Leser werden identifizieren können. Mir tut es fast schon ein wenig leid, dass "Der Fänger im Roggen" als Klassiker betrachtet wird und im gleichen Atemzug den unattraktiven "Schullektüre"-Stempel aufgedrückt bekommt, denn Holden Caulfield und seine völlig ungebundenen drei Tage in New York sind lesenswert und aufschlussreich. Ich stelle meine Ausgabe mit einem ehrlichen, wenn auch etwas traurigen Lächeln zurück ins Regal … und bin mir sicher, dass Holden und ich uns in ein paar Jahren noch einmal begegnen werden.

Am meisten halte ich davon, wenn man nach einem Buch ganz erledigt ist und sich wünscht, daß man mit dem Autor, der es geschrieben hat, nah befreundet wäre und daß man ihn antelefonieren könnte, wenn man dazu Lust hätte. (S. 17)


Alle Termine im Überblick

  1. August – About Books – Startbeitrag
  2. August – Scattys Bücherblog
  3. August – Johannisbeerchens Bücher
  4. August – Books on PetrovaFire
  5. August – About Books
  6. August – lesen und mehr
  7. August – Lesemonsterchens Buchstabenzauber
  8. August – Lu’s Buchgeflüster
  9. August – itsabookwormthing
  10. August – Schmökereck
  11. August – Mein Buch – Meine Welt
  12. August – itsabookwormthing
  13. August – Bookdibluempf
  14. August – Johannisbeerchens Bücher
  15. August – Goldkindchen
  16. August – About Books)
  17. August – Vanessas Bücherecke
  18. August – Leselurch
  19. August – Ricas fantastische Bücherwelt
  20. August – Yvonnes Lesewelt
  21. August – Büchernest
  22. August – lesen und mehr
  23. August – His and her books
  24. August – Nicos Bücherwelt
  25. August – Maddy Rosarot
  26. August – Schlunzen-Bücher
  27. August – Buchstabengeflüster
  28. August – Lisa liest
  29. August – Johannisbeerchens Bücher
  30. August – Evys kleine Wunderkiste
  31. August – Büchernest – Lasst uns reden über Klassiker - Endbeitrag

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

legal notice. based on design by Charming Templates.