Rezension: "Das verrückte Leben der Jessie Jefferson"

Paige Toon // Gisela Schmitt // HarperCollins ya! // 304 Seiten // Paperback // 14,99€ // 9783959670234 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Als ihre Mutter bei einem Unfall ums Leben kommt, bricht für die fünfzehnjährige Jessie die Welt zusammen. Sie hat nun niemanden mehr, denn ihren leiblichen Vater kennt sie nicht. Bloß Stu, ihr Stiefvater, versucht noch für Jessie da zu sein, doch zu ihm hat sie nie eine sonderlich enge Bindung gehabt. Jessie beginnt, zu rebellieren – wen kümmert es schließlich? – und gerät auf die schiefe Bahn. Sie schwänzt die Schule, geht nur noch auf Partys, betrinkt sich und raucht. Als die Situation zu eskalieren droht, zieht Stu seinen letzten Strohhalm – und verrät Jessie die Identität ihres Vaters. Es handelt sich um niemand geringeres als Johnny Jefferson, dem weltbekannten Rockstar. Jessie kann es nicht fassen! Und ehe sie sich versieht, steht ihr gesamtes Leben Kopf …

Meine Meinung:

Mit "Das verrückte Leben der Jessie Jefferson" legt Bestseller-Autorin Paige Toon nach zahlreichen Liebesromanen ihr erstes Jugendbuch vor, trennt sich dabei aber nicht von dem, was ihre Geschichten so sehr auszeichnet: den ganz großen Gefühlen! Auch in diesem Buch wartet auf die Leser eine wahre Achterbahn der Emotionen, die alle Facetten der Gefühlspalette abdeckt. Es wird bedrückend und traurig, aufregend und dramatisch, einfühlsam und bewegend. Aber etwas anderes hat von der Geschichte eines mittelständischen Mädchens, das plötzlich einen berühmten Rockstar als Vater hat, auch nicht erwartet, oder?

Die fünfzehnjährige Jessie verbindet gleich mehrere Rollen in ihrer Geschichte: Sie ist Protagonistin und Erzählerin. Zu Beginn lernt man sie am Tiefpunkt ihres jungen Lebens kennen. Die Trauer um ihre verstorbene Mutter überwältigt sie, sie fühlt sich einsam und im Stich gelassen, und ihre brodelt eine unglaubliche Wut. Jessie gerät auf die schiefe Bahn, lenkt sich mit den falschen Dingen ab und distanziert sich mehr und mehr von der Realität. Man entwickelt schnell Mitleid mit ihr und fühlt mit ihr mit, auch wenn man nicht all ihre Gedanken und Entscheidungen gutheißen kann. In Anbetracht ihres jungen Alters ist Jessies distanzierter Charakter allerdings sehr realistisch. Sie ist eben ein typischer Teenager!

Mit der Enthüllung der Identität ihres Vaters beginnt Jessie sich zu verändern. Ihr gesamtes Leben lang hat sie sich gefragt, wer er ist, was sie wohl von ihm geerbt hat, warum sie keine Beziehung zu ihm aufbauen durfte. Nun, da sie es weiß, beginnt sie nach all den schrecklichen Erlebnissen wieder Fuß zu fassen. Sie definiert sich neu, fasst Mut. Das ist nicht immer leicht: Jessie ist sich in vielen Dingen noch unsicher und traut dem festen Boden, den sie wieder betreten darf, noch nicht recht. Es braucht seine Zeit, bis Jessie zu einer Protagonistin geworden ist, mit der man sich identifizieren kann und mit der man über die Seiten hinaus herzlich schmunzeln kann. Für Leser, die sich in Jessies Lebensphase befinden, ist diese Entwicklung mit Sicherheit mitreißend und aufregend zu lesen.

Aber nicht nur Jessie verändert sich: Die gesamte Atmosphäre des Romans ändert sich mit der ersten Begegnung mit Jessies leiblichem Vater. Vom beschaulichen England, in welchem sie Trauer und Wut empfand, geht es nach Los Angeles in eine Welt voller Glamour, Blitzlichtgewitter und Luxus. In der Welt der Schönen und Reichen findet sich Jessie schnell zurecht, wenn auch auf ihre eigene, manchmal noch etwas scheue Art und Weise. Dank Paige Toons leichtfüßigen Schreibstils rauscht man durch die Seite wie Jessie durch die Partys, auf welchen sie nun tanzen darf. Es wird lustig und spaßig, aber Paige Toon lässt auch die Schattenseiten des Ruhms nicht unerwähnt.

Johnny Jefferson, Jessies leiblicher Vater, und seine Frau Meg sind keine Unbekannten! Fans der Autorin kennen den Rockstar und seine ehemalige Assistentin bereits, denn den beiden hat Paige Toon längst eine eigene Buchreihe gewidmet. Kennen muss man diese nicht, um Jessies eigener Geschichte folgen zu können. Johnny und Meg erzählen Jessie in "Das verrückte Leben der Jessie Jefferson" alles, was sie über ihre Beziehung und ihre gemeinsame Vergangenheit wissen muss. Wer das Pärchen aber näher kennenlernen will, dem steht dazu schon Lesestoff zur Verfügung.

"Das verrückte Leben der Jessie Jefferson" ist im Großen und Ganzen ein unterhaltsamer Jugendroman ist, der vor allem die junge Leserschaft mit seiner Thematik begeistern wird. Für mich persönlich gab es allerdings ein paar Kritikpunkte, die mir beim Lesen störend aufgefallen sind. Neben Jessies Alkoholkonsum, der in Hinblick auf die jüngeren Leser viel zu locker thematisiert wurde, empfand ich die Beziehung zwischen Jessie und ihrem leiblichen Vater als zu komplikationslos. Einige Handlungsstränge blieben mir zu oberflächlich, wie etwa Jessies Bindung zu Stu, der sie schließlich aufgezogen hat. Hier müsste Paige Toon in den Folgeromanen noch etwas tiefer greifen!

Fazit:

"Das verrückte Leben der Jessie Jefferson" ist der erste Jugendroman der Bestseller-Autorin Paige Toon. Und auch hier beweist sie, dass sie ein Händchen für die ganz großen Gefühle hat. Protagonistin Jessie schwingt – typisch Teenager! – zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt hin und her, verübeln kann man ihr das als Leser aber nicht: Nachdem sie ihre Mutter verloren hat, erfährt sie, dass ihr leiblicher Vater ein weltbekannter Rockstar ist! Sie will ihn kennenlernen, um jeden Preis – nicht des Geldes wegen, auch wenn das natürlich ein angenehmer Nebeneffekt ist. Für Jessie nimmt das Leben eine komplette Kehrtwende und eine spannende Zeit in Los Angeles beginnt, in der sie neben Glamour, Luxus und Blitzlichtgewitter auch den ganz normalen Teenie-Wahnsinn erlebt. Dazu gehört selbstverständlich auch die erste Liebe … Trotz ein paar Kritikpunkten ist "Das verrückte Leben der Jessie Jefferson" im Großen und Ganzen ein unterhaltsamer Jugendroman, für spaßige Lesestunden sorgt. LeserInnen in Jessies Alter werden dieses Buch in Windeseile verschlingen! Ich vergebe gute 3 Lurche.

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