Rezension: "Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul"

Verena Reinhardt // Beltz & Gelberg // 512 Seiten // gebunden // 17,95€ // 978-3-407-82097-6 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Auf Friedrich Löwenmauls Schultern lastet eine schwere Bürde: Er ist der letzte Spross der berühmtesten Hummelreiter-Familie. Die unzähligen Pokale und Auszeichnungen seiner Verwandten erinnern Friedrich tagtäglich daran, dass er selbst nicht das Talent seiner Familie geerbt hat und dem bekannten Namen Löwenmaul nicht gerecht wird. Doch als eines Tages die goldene Hummel Hieronymus Brumsel auf seinem Balkon sitzt und mit ihm spricht – ja, wirklich spricht! – lässt sich Friedrich von ihr überreden, etwas zu wagen. So schnell er auf Brumsels Rücken sitzt, so schnell bereut Friedrich jedoch seinen Übermut, denn die Hummel hat ihn unter Vortäuschung falscher Tatsachen auf ihren Rücken gelockt! Hieronymus reiste im Auftrag von Königin Ophrys an, die Friedrich als Spion in den Norden des Landes schicken will. Im weit entfernten Skarnland, das ebenso sonderbar wie kurios ist, brodelt es und es liegt allein in Friedrich Löwenmauls Händen, einen gewaltigen Krieg zu verhindern. Worauf hat er sich da nur eingelassen?

Meine Meinung:

Wer nach außergewöhnlichen Geschichtenerzählern sucht, muss gar nicht weit schauen: Das zeigt die aus Wiesbaden stammende Autorin Verena Reinhardt. Mit ihrem Debütroman „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ beweist sie, dass sich ihr Name im Regal ganz hervorragend neben Größen wie Walter Moers oder Cornelia Funke macht. Zwischen diesen Buchdeckeln stecken Originalität und Ideenreichtum, Skurrilität und Einzigartigkeit, Witz und Charme, Humor und Tapferkeit, Spannung, Mut und Freundschaft. Ein schräges, buntes Potpourri aus allerlei Dingen, die einen Roman lesens- und liebenswert machen.

Mit über 500 Seiten ist „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ ein waschechter Schmöker. Lange liest man an der Geschichte trotzdem nicht: In Skarnland überschlagen sich die Ereignisse und die Aufregung lässt einen wie gebannt an den Seiten kleben. Durch humorvollen und durchaus gefühlvolle Sequenzen wird die Spannung immer wieder aufgelockert, aber die Pageturner-Stimmung bleibt bestehen. Wer trennt sich schon freiwillig von möchtegern-mutigen Hummelreitern, skurrilen Insekten-Mafiosos, prominenten Eulen-Diven und „Mythen in Tüten“? Wer nun gedanklich die Hand gehoben hat, hat in dieses herrlich schräge Buch schlichtweg noch nicht hineingelesen! Verena Reinhardt hat eine zeitlose, tolle Geschichte geschrieben, die mich mit jedem Kapitel aufs Neue überraschen und begeistern konnte.

Friedrich Löwenmaul und Hieronymus Brumsel sind ein starkes Duo, deren Dynamik der Atmosphäre des Romans die Kirsche aufs Sahnehäubchen setzt. Der schwächliche Friedrich, der sehr unter seinem Status als schwarzes Schaf der Familie leidet, und die tapfere Hummel, die sich mächtig etwas auf ihren Ruf als bester Spion einbildet, sind ein ungleiches Team, das sich wundervoll ergänzt. Der eine suhlt sich lieber in Selbstmitleid, der andere badet dafür gerne in seinem überlaufenden Ego – zusammen ergeben sie die perfekte Balance. Friedrich und Hieronymus sind charmant und witzig – mal gewollt, mal nicht – und auch als eigenständige Charaktere bemerkenswert ausgefeilt. Am meisten Spaß macht es jedoch beobachten zu dürfen, wie sich aus ihrer unfreiwilligen Zusammenarbeit eine starke Freundschaftsbande knüpft, die sowohl Friedrich als auch Hieronymus wachsen lässt.

Verena Reinhardt hat mit einer umwerfenden Detailgenauigkeit eine Welt geschaffen, für die ich mich aus vollstem Herzen begeistern konnte. Das weit entfernte Skarnland mit dem Königreich Südwärts und den wilden Landen von Nordwärts hat in mir – allen Gefahren zum Trotz! – den dringenden Wunsch geweckt, mich auf den Rücken einer Hummel zu schwingen und mich auf Entdeckungsreise zu begeben. Da dies leider bloß Wunschdenken bleiben wird, bin ich umso dankbarer für Verena Reinhardts packenden, bildstarken und frischen Schreibstil, durch den ich mich beim Lesen so fühlen durfte, als wäre ich mitten in der Geschichte.

Das Cover stammt aus Feder und Pinsel der bezaubernden Illustratorin Eva Schöffmann-Davidov, die unter anderem auch die Cover der Jugendbücher von Kerstin Gier gemalt hat. In meinen Augen ist dieses Cover perfekt: Es ist so kurios, besonders und einzigartig wie die Geschichte, die dahintersteckt, und auch Friedrich und Hieronymus sind wunderbar getroffen. Da mir eine befreundete Buchhändlerin aber verriet, dass viele ihrer Kunden das Buch auf den ersten Blick zu wirr oder zu düster fanden, hier meine Bitte an alle Unschlüssigen: Gebt diesem Buch eine Chance. Ihr werdet es nicht bereuen.

Fazit:

„Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ von Verena Reinhardt ist ein wundervoller, sonderbarer und einzigartiger Roman aus deutscher Feder, der mich mit seinen originellen Ideen überrascht und begeistert hat. Reinhardt hat herrlich skurrile und facettenreiche Charaktere geschaffen, die in einer ungewöhnlichen Welt ein noch viel außergewöhnlicheres Abenteuer erleben. Sie nimmt ihre Leser mit auf eine fantastische Reise, bunt, speziell und ungewöhnlich, und schafft mit ihrem tollen Schreibstil ein Leseerlebnis, das mit viel Spannung, Mut und Freundschaft glänzt. „Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul“ ist ein Must-Read für jeden, der ein Herz für zeitlose Geschichten hat. An dieses Buch erinnert man sich auch noch nach Jahren mit einem Lächeln auf den Lippen – da bin ich mir sicher. Ich vergebe brumselige 5 Lurche.

1 Kommentar:

  1. Das Buch hört sich wirklich toll an! Das Cover ist auch wunderschön =)

    LG

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