Rezension: "Goddess of Poison - Tödliche Berührung"

Melinda Salisbury // A. M. Grünewald // bloomoon // 352 Seiten // gebunden // 17,99€ // 9783845815138 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Einst war die siebzehnjährige Twylla die Tochter der Sündenesserin, ehe die Königin von Lormere ihr ihr wahres Schicksal offenbarte: Sie ist die Gottgleiche Daunen. Als menschliche Verkörperung der Tochter der Götter lebt sie ein sicheres Leben am Hofe, doch ihre Bestimmung bringt eine große Last mit sich. Jeden Monat muss sie ein tödliches Gift trinken. Ein Gift, gegen das nur die Königsfamilie und sie immun sind – und das jeden auf grausame Weise dahinrafft, der Twylla berührt. Ihr ist ein einsames Leben als Henkerin vorherbestimmt, die Verräter durch bloße Berührung tötet. Eine Bürde, unter der Twylla mit jedem Tag stärker zu leiden hat. Als ihr der Tregellianer Lief als Wächter zur Seite gestellt wird, ändert sich jedoch alles. Durch ihn beginnt Twylla ihr vermeintliches Schicksal zu hinterfragen …

Meine Meinung:

Mit „Goddess of Poison – Tödliche Berührung“ startet Melinda Salisbury in eine High-Fantasy-Reihe für junge Erwachsene, die von den mittelalterlich angehauchten, verfeindeten Ländern Lormere und Tregellian und ihren Legenden erzählt. Im ersten Band begleitet man die siebzehnjährige Twylla, die als Reinkarnation einer Gottestochter ein sicheres, aber einsames und grausames Leben am Hofe führt. Als „Gottgleiche Daunen“ ist sie eine Vollstreckerin, die durch bloße Berührung tötet – und jede einzelne Handlung ihrer schicksalhaften Bestimmung hasst. Twylla wünscht sich nichts sehnlicher, als frei zu sein, selbst bestimmen und agieren zu dürfen, ist sich ihrer Bedeutung für das Königreich jedoch auch schmerzlich bewusst. Sie ist eine herzliche, ehrliche Protagonistin, die ich ab der ersten Seite mochte und deren Schwächen sie noch viel authentischer machen als ihre Schwächen.

Die Welt, die Melinda Salisbury in „Goddess of Poison“ erschaffen hat, hat mich auf sehr zwiespältige Weise fasziniert: Einerseits fühlte ich mich von den Abscheulichkeiten, den Grausamkeiten und den eigentümlichen Sagen, Mythen und Riten des Landes Lormere regelrecht abgestoßen, andererseits strahlte jede Faser dieser Welt solch eine intensive und mitreißende Atmosphäre aus, dass ich mich gar nicht von ihr lösen wollte. Salisbury bietet in ihrem Roman ein außergewöhnliches, sehr komplexes Setting, das sich deutlich vom Mainstream abhebt.

Melinda Salisburys Schreibstil verstärkt die einzigartige Stimmung des Romans. Sie schreibt sehr bildhaft und fesselnd, sodass es ein Leichtes ist, sich zwischen den Seiten zu verlieren … sofern man sich denn auf die Geschichte einlässt! Die Autorin beschreibt durch die Augen ihrer Protagonistin sehr detailreich, was Twylla am Königshofe von Lormere erlebt und welche Erinnerungen sie noch an ihr Leben als Tochter der Sündenesserin hat. Es gibt einige abscheuliche Szenen, die Salisbury auch ekelerregend zu vermitteln weiß, aber die Autorin kann auch anders: In gefühlvollen Momenten hat sie mich stets auch mitten ins Herz treffen können!

Was „Goddess of Poison – Tödliche Berührung“ für mich zu solch einem besonderen Leseerlebnis gemacht hat, waren vor allem die Themen, die Salisbury in Twyllas Geschichte hat einfließen lassen, und die Art und Weise, wie sie sie aufbereitet hat. Glaube und Hoffnung spielen zentrale Rollen, ebenso wie Lug und Betrug, Schicksal und Individualität, Glück und Verantwortung. In „Tödliche Berührung“ gibt es kein Schwarz und kein Weiß. Jede Lüge hat ihre Berechtigung, jede Handlung zieht sowohl gute als auch schlechte Konsequenzen mit sich. Salisbury bricht mit Genreklischees und erzählt sogar die Liebesgeschichte auf eine harte, aber ehrliche Art, die mich vollkommen überzeugen konnte.

Die gesamte Geschichte lebt von ihrer sonderbaren Atmosphäre, ihren eigenen Legenden, ihren eigenwilligen und einzigartigen Charakteren und ihren Beziehungen zueinander. Auf ein blutiges Schlachtfeld werden die Figuren (noch) nicht geführt. Die Spannung entwickelt sich durch die Intrigen und die Wortgefechte unter den Charakteren. Lügen und Geheimnisse stehen am Hofe Lormeres an der Tagesordnung und machen die Geschichte zusammen mit ihren grausigen Mythen zu packendem Lesestoff. Man muss sich aber durchaus darauf einstellen, dass zwischen diesen Buchdeckeln keine epischen Kämpfe für das Blutvergießen verantwortlich sind.

Zum Schluss sorgt Melinda Salisbury doch noch für einen kleinen Aufreger. Der Epilog ist fies! Verübeln kann man der Autorin das Ende des Romans aber keinesfalls. Sie führt ihre Geschichte zu einem würdigen Abschluss, den man im ersten Moment nicht akzeptieren mag, der allerdings perfekt zu „Goddess of Poison – Tödliche Berührung“ passt. In der Fortsetzung „The Sleeping Prince – Tödlicher Fluch“ wird die Saga um die Länder Lormere und Tregellian fortgesetzt, wenn auch mit einer anderen Protagonistin: Die junge Apothekerstochter Errin, die bereits in diesem Band Erwähnung findet, wird diese Rolle übernehmen.

Fazit:

„Goddess of Poison – Tödliche Berührung“ ist das Debüt der Autorin Melinda Salisbury, mit welchem sie großes erzählerisches Talent beweist. Der High-Fantasy-Roman um Twylla und ihre grausame Fähigkeit, Menschen durch bloße Berührung zu vergiften, hat mich vor allem durch den originellen Weltenbau, die komplexen Hintergründe und die Thematik überzeugt. Dabei hat mich das Buch auf sehr zwiespältige Weise fasziniert: Einerseits empfand ich vieles an Salisburys Welt als abstoßend, andererseits wollte und konnte ich mich von der stimmigen Atmosphäre und dem fesselnden Lesefluss nicht lösen! „Goddess of Poison – Tödliche Berührung“ ist ein beeindruckender Fantasyroman, der mit einer ruhigen, aber sehr hinterhältigen Spannung spielt und bewusst mit Genreklischees bricht. Da ich glaube, dass die Autorin ihr Potenzial noch nicht vollends ausgeschöpft hat, vergebe ich voller Vorfreude auf „The Sleeping Prince – Tödlicher Fluch“ sehr gute 4 Lurche.

Kommentare:

  1. Huhu, wie schön, dass dir der Auftakt so gut gefallen hat! Ich schleiche auch schon seit einer Weile um das Buch herum (schon um die Englische Ausgabe). :D Mir kommt es so vor, als hätten es sehr viele nur mittelmäßig bewertet...Aber dann gibt es auch wieder positive Rezensionen wie deine, die trotzdem nicht jedes kleine Detail über den Klee loben :D Mir hast du auf jeden Fall sehr geholfen, dass ich das Buch jetzt noch mehr lesen möchte. :D

    Liebe Grüße
    Lena ♡

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    1. Liebe Lena,
      das Cover lässt einem aber auch das Wasser im Mund zusammenlaufen! ;)
      Versuch dich doch einmal an der Leseprobe, da bekommst du schon ein gutes Gefühl für die Stimmung des Buches!
      Liebe Grüße!

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  2. Ich hab das Buch ja abgebrochen, und wenn ich deine Rezi so lese, weiß ich auch wieder warum. Natürlich find ich es toll, dass es dir gefallen hat, ich wünschte, der Funke wäre bei mir auch übergeschlagen.

    LG Heffa

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    1. Liebste Heffa,
      ich mag ja so ruhige, unterschwellige Spannung und starke Atmosphären! Aber ich kann verstehen, warum dir das Buch nicht zugesagt hat. Entweder es packt einen oder eben nicht!
      Liebe Grüße und fühl dich fest gedrückt!

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  3. Huhu liebe Simone,

    bei dem Buch bin ich mir ja auch echt unsicher, ob es was für mich wäre.
    Schön, dass es dir so gut gefallen hat!

    Liebste Grüße
    Sonja

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  4. Huhu :)

    Eine tolle Rezi :) Das Buch hab ich gleich mal auf meine Wuli gepackt :)

    Liebe Grüße

    Sunny
    von Sunny's magic books

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  5. Hallo :)
    Zuerst mal wie wunderschön ist dieses Cover bitte :D
    Ich finde deine Rezension sehr schön geschrieben.
    Ich glaube, dass mir das Buch echt gefallen könnte, daher werde ich es mal auf meine Wunschliste schreiben.

    LG Melie :)

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