Review: "You Know Me Well"

Nina LaCour & David Levithan // Pan Macmillan // 256 Seiten // Taschenbuch // ca. 8,99€ // 9781509823932 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Kate ist aufgeregt: In nur wenigen Minuten wird sie Violet, die Cousine ihrer besten Freundin Lehna, kennenlernen – das Zirkusmädchen, für das sie schon so lange aus Briefen und Erzählungen schwärmt. Sie hat sich eine Auszeit von den vielen Reisen gegönnt und wird auf die gleiche Party gehen wie Kate. Doch ausgerechnet im entscheidenden Moment wird Kate von ihrer Nervosität überrannt – und haut ab! Sie sucht Zuflucht in einer Bar, in der Männer spontan einen Tanzwettbewerb ausfechten. Und dort, halbnackt, tanzt Mark, der mit ihr im gleichen Schulkurs sitzt! Er hat seinen besten Freund und Schwarm Ryan zu Beginn der Pride Week überredet, ihn zu begleiten, um Mut für dessen Coming Out zu sammeln … in der Hoffnung, dass Ryan für Mark dasselbe fühlt wie er für ihn. Es ist ein wundersamer Abend, an dem das Schicksal Kate und Mark zusammenführt, und zugleich der Beginn einer unglaublichen Freundschaft. Denn als auch Marks Plan scheitert, beschließen die beiden, die Nacht unvergesslich zu machen – und um ihre Lieben zu kämpfen.

Meine Meinung:

Mit „You Know Me Well“ haben sich die beiden Autoren Nina LaCour und David Levithan, die beide für ihre gefühlsstarke Art zu schreiben bekannt sind, für ein Romanprojekt zusammengeschlossen. Erzählt wird die Geschichte der beiden unglücklich verliebten jungen Erwachsenen Kate und Mark, die sich zufällig genau dann treffen, wenn sie einander am meisten brauchen. „You Know Me Well“ ist ein Buch über die Bedeutung und Wichtigkeit von Freundschaft, über die Herausforderung, sich selbst zu finden, und über den Mut, den es braucht, um für das zu kämpfen, was einem die Welt bedeutet.

"You Know Me Well" wird abwechselnd aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt. Kate und Mark teilen sich die Erzählerrolle gerecht auf und lassen mit jedem neuen Kapitel den jeweils anderen seinen Teil der Geschichte erzählen. So haben sich auch Nina LaCour und David Levithan beim Schreiben abgewechselt und deutlich aufgeteilt: Nina schreibt Kates, David dagegen Marks Passagen. Beide schreiben gefühlvoll, mitreißend und einfühlsam und harmonieren so gut miteinander, dass einem als Leser gar nicht aufgefallen wäre, dass hier zwei Autoren am Werk waren, wenn ihre Namen nicht deutlich auf dem Cover prangen würden.

Kate und Mark sind quasi "Freunde auf den ersten Blick". Obwohl sie schon länger zusammen die Schulbank drücken und gemeinsame Kurse besuchen, haben sie noch nie ein Wort miteinander gewechselt – bis zu jenem Abend, an dem das Schicksal die beiden auf einer Party zusammenführt. Zwischen ihnen sind sofort eine Verbundenheit und ein Vertrauen zu spüren, die in vielen Freundschaften erst über Jahre hinweg wachsen müssen. Bei Kate und Mark stimmt eben die Chemie bis ins kleinste Atom! Und das macht von Anfang an Lust auf mehr. "You Know Me Well" ist die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft, die so natürlich und ehrlich wirkt, dass man sich wünscht, selbst ein Teil von ihr sein zu können.

Kate steht zu Beginn des Romans unter einem enormen Druck: Die letzten Schultage stehen an, sie hat ein Stipendium für eine der angesehensten Kunsthochschulen bekommen und sie wird Violet, die Cousine ihrer besten Freundin, für die sie schon lange schwärmt, endlich persönlich kennenlernen. Obwohl alles perfekt sein könnte, kann die sonst sehr offene und fröhliche Kate diese Zeit nicht genießen. Sie fühlt sich nicht bereit. Die Angst, etwas falsch zu machen oder nicht den Erwartungen zu entsprechen, lähmt sie. Kate ist voller Selbstzweifel, die Nina LaCour authentisch widergibt.

Mark dagegen hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, die ihn allerdings nicht weniger belasten. Er, der große Baseballspieler, ist verliebt in seinen besten Freund Ryan, der sich partout nicht zu seinem eigenen Comingout überwinden kann. Stattdessen führen er und Mark eine Art „Nicht-Beziehung“: Sie turteln, sie knutschen, sie probieren sich aus – ohne darüber zu reden, ohne es ernst zu nehmen. Mark reicht das nicht. Er will eine feste Beziehung mit Ryan und gibt sich die größte Mühe, ihm den nötigen Mut zuzusprechen. Blöd nur, wenn Ryan ausgerechnet dank Marks Hilfe einen anderen Jungen kennenlernt, der in ihm Gefühle auszulösen scheint, die er mit Mark niemals verbunden hat. Sensibel und selbstlos, wie Mark ist, wächst er einem sofort ans Herz und es fällt sehr leicht, mit ihm gemeinsam durch die Seiten unter dem Gefühlsdrama zu leiden.

Kate und Mark sind tolle Protagonisten, denen Nina LaCour und David Levithan auf bezaubernde Weise Leben eingehaucht haben. Man hat sie einfach gern, will während des Lesens am liebsten immer wieder in das Buch steigen, um sie zu drücken und zu unterstützen. Dank ihnen ist es ein leichtes, sich mit ganzem Herzen in die Geschichte fallen zu lassen. Die bunten Nebenfiguren, der gefühlvolle Plot und das bewegende Ende runden „You Know Me Well“ ab und machen den Roman zu einem Leseerlebnis, das Contemporary-Fans nicht entgehen lassen sollten. Dennoch hätte die Geschichte um Kate und Mark noch besser, noch tiefgründiger, noch emotionaler werden können: „You Know Me Well“ greift viele Themen und Facetten auf, die noch stärker hätten wirken können, hätte man ihnen die Zeit gegeben, sich entfalten zu können. Dafür hat der Roman schlichtweg zu wenig Seiten.

Fazit:

Wie wichtig Freundschaft ist, haben Nina LaCour und David Levithan in ihrem gemeinsamen Romanprojekt „You Know Me Well“ auf bezaubernde Weise niedergeschrieben. Die Geschichte um Kate und Mark, die sich beide in einer schicksalhaften Nacht kennenlernen und „beste Freunde auf den ersten Blick“ sind, steckt voller Emotionen, Authentizität und Offenheit. Dank der beiden Protagonisten, die man auf Anhieb gern hat, fällt es einem als Leser leicht, sich mit ganzem Herzen in die Geschichte fallen zu lassen und mit ihnen gemeinsam um ihre Lieben zu kämpfen. Auch die Nebenfiguren und die tolle Atmosphäre überzeugen. Einzig die Kürze des Romans gibt es zu kritisieren: Hätte man der Geschichte mehr Seiten zugesprochen, hätten viele der angeschnittenen Themen tiefgründiger behandelt werden können. Für „You Know Me Well“ vergebe ich 4 Lurche.

1 Kommentar:

  1. Was für eine schöne Rezension! Ich habe den Roman schon länger am Radar und jetzt steht fest: es ist ein MUST-Read. Bisher haben mich die Bücher (bzw. die Romane, die er in Co-Autorschaft mit anderen geschrieben hat) nur selten überzeugt - aber "You know me well" klingt wieder einmal nach einem ganz außergewöhnlichen Jugendbuch. ♥

    Ich wünsch dir einen wunderschönen Tag und schick dir sonnige Grüße aus Krakau! Nana ♥

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