Rezension: "Vor mir die Sterne"

Beth Harbison // Corinna Rodewald // Aufbau // 416 Seiten // Taschenbuch // 9,99€ // 978-3-7466-3229-2 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Mitten im Ozean, auf einer Yacht mit ihren besten Freunden, genießt die 38-jährige Remie ihren Champagner … und steckt mitten in einer Krise! Ist das wirklich das Leben, wie sie es sich vorgestellt hat? Sie hat es zu etwas gebracht, Karriere gemacht, und dennoch fühlt sich Remie nicht glücklich. Beschwipst trifft Remie aus dem Affekt heraus eine äußerst gefährliche Entscheidung - und wacht plötzlich 20 Jahre früher in ihrem 18-jährigen Körper wieder auf! Drei Tage vor ihrem Schulabschluss erhält sie eine zweite Chance, ihr Leben in andere Bahnen zu lenken. Sie könnte einen anderen Studiengang wählen, ihrer Jugendliebe verzeihen, wieder Zeit mit ihrem Vater verbringen. Doch was sie tun muss, um wirklich glücklich zu werden, steht auch bei ihrer zweiten Chance noch in den Sternen …

Meine Meinung:

Wenn du dein Leben noch einmal leben könntest, würdest du alles genauso machen? Welche Entscheidungen und Handlungen, welche Details würdest du verändern? Welche Ereignisse würdest du gezielt herausfordern, welche zu verhindern versuchen? Würdest du bestimmte Menschen mit Absicht nicht in dein Leben lassen oder längst verlorene Kontakte retten? Was würdest du tun? Was wäre, wenn…? Fragen über Fragen, die sich ein jeder von uns wohl schon so manches Mal gestellt hat. Die amerikanische Autorin Beth Harbison greift in "Vor mir die Sterne" all diese auf und verwebt sie zu einem einfühlsamen Roman über zweite Chancen und ihre möglichen Konsequenzen.

Leicht gefallen ist mir der Einstieg in die Geschichte nicht. Schuld daran trägt Protagonistin Remie, die ehrgeizige Karrierefrau, die mit ihren 38 Jahren plötzlich erkennt: So, wie ihr Leben momentan verläuft, kann sie nicht glücklich werden. Man lernt Remie als hysterische Frau kennen, die aus einer Art Midlife Crisis heraus eine äußerst dumme und seltsame Entscheidung trifft – und das, nachdem sie nur wenige Augenblicke zuvor Champagner mit ihren Freunden auf einer Yacht genossen hat! Remie wirkt kühl, arrogant und distanziert und ist keine Persönlichkeit, die man umgehend ins Herz schließt.

Glücklicherweise beschränkt sich Remies schlechter erster Eindruck tatsächlich bloß auf die ersten Kapitel. Schon bald lernt man sie besser kennen und versteht, wieso und weshalb sie sich zu solch einem Verhalten hat hinreißen lassen. Mit der echten Remie hat das wenig zu tun! Denn im Grunde ist sie bloß eine normale Frau, ein normaler Mensch, der an einem Punkt in seinem Leben steht, in dem die unzähligen "Was wäre, wenn?"s im Kopf die eigenen Sorgen und Unsicherheiten schüren. Bin ich wirklich glücklich? Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen? Bin ich die, die ich sein will? Remie steht vor eben diesen Fragen – und bekommt die Chance, es herauszufinden.

Remie wacht überraschend in ihrem 18-jährigen Körper auf, ihr Geist erinnert sich jedoch an alles – und will das alles erst einmal nicht wahrhaben. Sie steht drei Tage vor ihrem Schulabschluss und hat die Möglichkeit, mit ihrem heutigen Wissensstand anders, bewusster zu leben. Im Vordergrund steht stets ihr Wunsch nach dem eigenen Glück, nach Liebe und Geborgenheit. Inmitten ihrer zweiten Chance ist Remie eine ehrliche, sehr natürliche Protagonistin, die den Nerv ihrer Leser trifft und sie mit einer Mischung aus schonungsloser Offenheit, herausforderndem Mut und einer großen Ladung Selbstzweifeln durch die Seiten zieht. Ich mochte Remie mit jedem Kapitel mehr, mit ihr mitgefiebert und ihr ihr Glück so, so sehr gegönnt!

Auch wenn "Vor mir die Sterne" auf den ersten Blick wie leichte Lektüre ausschauen mag, hat es Beth Harbisons mächtig in sich. Locker, fluffig und humoristisch sind höchstens ein paar Szenen, nicht jedoch die allgemeine Stimmung des Romans. "Vor mir die Sterne" liest sich wie ein rotes Warnsignal, wie eine Leseempfehlung, die einem das Ich aus der Zukunft höchstpersönlich ausgesprochen hat. "Vor mir die Sterne" steckt voller gnadenloser Weisheiten, die man sich unbedingt zu Herzen nehmen sollte, um glücklich mit seinem Leben und sich selbst zu werden. Man wird auf herzergreifende Weise zum Nachdenken angeregt, noch lange Zeit über die letzte Seite hinaus.

Hat "Vor mir die Sterne" seine kitschigen Seiten? Ja. Nicht alles an diesem Buch hat mir kritiklos gefallen. Die wichtige und unheimlich ehrlich übermittelte Message des Romans hat mich darüber aber getrost hinwegsehen lassen – und mich ermutigt, nach neuen Sternen zu greifen.

Fazit:

Mit "Vor mir die Sterne" hat Beth Harbison einen wundervollen Roman verfasst, der viel tiefer greift, als es das schöne Cover auf den ersten Blick vermuten lassen würde. Die 38-jährige Protagonistin Remie bekommt die Chance, ihr Leben grundlegend zu verändern, als sie plötzlich 20 Jahre in der Vergangenheit aufwacht. Beth Harbison beschäftigt sich mit Remie mit essentiellen Fragen nach dem persönlichen Glück, den eigenen Träumen und Wünschen und vermittelt ausdrucksstark und einfühlsam eine wichtige Message, die sich ein jeder von uns zu Herzen nehmen sollte. Für mich las sich "Vor mir die Sterne" wie eine Leseempfehlung meines zukünftigen Ichs an mich selbst … Ob es wirklich Zufall war, dass ich diesen Roman gelesen habe? Für "Vor mir die Sterne" gibt es sehr gute 4 Lurche!

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