Rezension: "Die Unbarmherzigen"

Danielle Vega // Doris Hummel // Bloomoon // 272 Seiten // Klappbroschur // 12,99€ // 9783845807232 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Sofia ist die Neue an der Adams High School – mal wieder. Der Beruf ihrer Mutter zwingt die Familie ständig zum Umziehen und Sofia bleibt selten länger als ein halbes Jahr an einem Ort. Anschluss zu finden, gar Freunde zu finden ist für das Mädchen fast unmöglich. Doch diesmal scheint es das Schicksal gut mit ihr zu meinen. Ausgerechnet Riley, das beliebteste Mädchen der Schule, nimmt Sofia schon am ersten Tag unter ihre Fittiche. Zum ersten Mal fühlt sich Sofia akzeptiert und aufgenommen – glücklich. Da ist es für sie nur selbstverständlich, Riley zu unterstützen. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre alte Freundin Brooklyn, die sich in den letzten Jahren extrem verändert hat, wieder auf den rechten Weg zu bringen – und zwar mit allen Mitteln. Riley schreckt vor nichts zurück: Nicht vor Worten. Nicht vor Taten. Nicht vor Blut.

Meine Meinung:

Ein schlichtes, pinkes Cover mit einem Fingerabdruck aus Blut, eine Altersempfehlung des Verlags ab 14 Jahren und eine Platzierung in der Jugendbuchabteilung. Dass „Die Unbarmherzigen“ von Danielle Vega zu den schockierendsten Büchern gehört, die ich je gelesen habe, und dass es mit seiner expliziten Brutalität eigentlich eher in die Horror-Abteilung gehört, lässt sich aus dieser Kombination wohl nicht auf Anhieb schließen.

„Die Unbarmherzigen“ beginnt wie eine typische Teenie-Geschichte, lässt dann aber nicht mehr lange fackeln: Sofia ist mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter umgezogen. Es ist ihr erster Tag an einer neuen Schule – und sie entdeckt unter einer Tribüne eine tote, gehäutete Katze. Und diese Katze ist erst der Anfang. Sofia lernt die Außenseiterin Brooklyn kennen, die mit ihren Piercings, Tattoos und ihrer aufmüpfigen Art aneckt, und die Mädchen Riley, Alexis und Grace, die Brooklyn zu ihrem persönlichen Sozialfall gemacht haben: Sie wollen ihre Seele retten. Von Riley und ihren Freundinnen fühlt sich Sofia erstmals akzeptiert und aufgenommen und so willigt sie ein, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Ohne zu ahnen, mit welchen grausamen Mitteln Riley ans Werk gehen wird…

Wem schon allein beim Gedanken an die gehäutete Katze ein Schauer über den Rücken gelaufen ist, sollte sich besser zwei Mal überlegen, ob dieses Buch das richtige für ihn ist. Danielle Vega verfügt über einen mitreißenden und sehr bildhaften Schreibstil, der sich für mich sowohl als Segen als auch als Fluch erwies. Während mich die Autorin mit Haut und Haar packen konnte und ich mich nicht dazu in der Lage fühlte, das Buch beiseite zu legen, ehe ich die letzte Seite inhaliert hatte, trieben mich die vielen expliziten Szenen an meine persönlichen Nervengrenzen. In „Die Unbarmherzigen“ fließt nicht einfach bloß eine Menge Blut. Es fließt auf schockierende, grauenerregende und sadistische Weise, die das Blut in den eigenen Adern gefrieren lässt.

Auch wenn der Plot im ersten Moment im ersten Moment stark an einen vorhersehbaren Teenie-Horrorfilm erinnert, so hat die Geschichte doch viel mehr zu bieten. In „Die Unbarmherzigen“ treibt Danielle Vega ein undurchschaubares Maskenspiel, in dem nichts und niemand so ist, wie es scheint. Die Charaktere sind keine Puppen, sondern ausgeklügelte Persönlichkeiten mit vielen dunklen Facetten und einem ausgeprägten Talent fürs Lügen. Die Mädchen sind nicht ehrlich, weder zueinander noch zu sich selbst, und der Reiz, hinter ihre Fassaden zu blicken, ihnen ihre Masken zu entreißen, sorgt für eine Spannung der Extraklasse.

„Die Unbarmherzigen“ als Fantasy-Roman zu bezeichnen wäre falsch, aber zwischen den Buchdeckeln verbirgt sich definitiv etwas Unnatürliches, Schauriges, Paranormales, dessen Existenz man bereits auf den ersten Seiten spürt. Dieses Etwas drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern sorgt unterschwellig immer wieder genau dann für Gänsehaut, wenn man den letzten Schocker verarbeitet hat. Dieses Etwas ist das Grauen, das sich nicht zeigt, und einen dennoch nie vergessen lässt, dass es im Dunkeln lauert. Mit den überraschenden Wendungen, die sich zum Ende der Geschichte immer stärker häufen, klärt Danielle Vega auf, was man da beim Lesen die ganze Zeit bemerkt hat und ob und wie widernatürlich das Grauen in ihrem Buch wirklich ist. Eines ist sonnenklar. Nach dieser Geschichte will man mehr!

Fazit:

„Die Unbarmherzigen“ von Danielle Vega ist ein schockierend grausames Werk, das seinem Titel wahrlich alle Ehre macht. Noch nie habe ich ein Jugendbuch(!) gelesen, das mich mit solch einer expliziten Darstellung von Gewalt an meine persönlichen Grenzen getrieben hat. Dieses Buch ist definitiv nichts für zarte Gemüter! Hinter diesem viel zu unschuldig anmutendem Cover steckt eine blutige, erschütternde Geschichte, die einen mit Haut und Haar durch die Seiten zerrt, die vor Geheimnissen und Spannungen kaum zu übertreffen ist und dabei stets nur einen Hauch von „zu krass“ entfernt ist. Für mich war „Die Unbarmherzigen“ ein schaurig-überzeugender Lesegenuss, den ich aber nur bedingt weiterempfehlen kann. Sehr bildstark, sehr heftig, sehr blutig: Aus diesem Stoff sind Albträume gemacht. Für „Die Unbarmherzigen“ vergebe ich gute 4 Lurche.

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