Rezension: "Ein Sommer in Tokio"

Brenda St. John Brown // Frauke Lengermann // LYX // 352 Seiten // Taschenbuch // 9,99€ // 9783802597466 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Zosia Easton ist alles andere als begeistert davon, als ihr Vater ihr eines Tages eröffnet, dass er einen Job in Japan angenommen hat. Sie soll ihn begleiten und alles zurücklassen. Zosia kann den Gedanken, fremde Menschen in ihrem Zuhause wohnen zu lassen, in dem sie noch alles an ihre verstorbene Mutter erinnert, allerdings kaum ertragen. Nur widerwillig reist sie mit nach Japan und trifft dort ausgerechnet auf Finn O’Leary, ihrem Schwarm aus Highschool-Zeiten. Seine Mutter ist ebenfalls nach Japan versetzt worden, doch ihm kam der Tapetenwechsel sehr gelegen: Je mehr Zeit Zosia mit Finn verbringt, desto deutlicher spürt sie, dass Finn etwas zu verdrängen versucht – und dass Gefühle zwischen ihnen entstehen, die diesen Sommer unvergesslich machen könnten…

Meine Meinung:

„Ein Sommer in Tokio“ von Brenda St. John Brown ist ein „New Adult“-Roman, an dem Fans des Genres nicht vorbeischauen sollten. Die Autorin hat einen leichten, lockeren Schreibstil, der einen geradezu durch die Seiten flitzen lässt und die Geschichte stets auf Trab hält. Nach einer kurzen Einstiegsphase, in der Brenda St. John Brown ihren Lesern ihre Charaktere vorstellt und die ersten Schmetterlinge flattern lässt, geht es für Protagonistin Zosia auf nach Tokio – die Stadt, die für sie das Abenteuer der ersten große Liebe bereithalten wird. „Ein Sommer in Tokio“ ist ein relativ typischer „New Adult“-Roman, der sich nur wenig vom klassischen Handlungsschema F abhebt, viel Wert auf große Gefühle legt und mit vielen stereotypen Charakteren arbeitet. Ein neuer Fan des Genres wird man durch den Roman vielleicht nicht unbedingt, aber wer gerne in „New Adult“-Romane abtaucht wird sich auch in „Ein Sommer in Tokio“ pudelwohl fühlen.

Die neunzehnjährige Zosia Easton, eine Amerikanerin mit polnischen Wurzeln, ist die Protagonistin des Romans. Sie ist ein ruhiges, zurückhaltendes Mädchen, das vor drei Jahren ihre Mutter durch Krebs verloren hat. Man lernt sie als ein graues Mäuschen kennen, das in jeglicher Hinsicht eher unscheinbar und durchschnittlich zu sein scheint und weder viele Freunde um sich schart noch viele Erfahrungen in Sachen Liebe gesammelt hat. Zosia ist eben eine ganz normale junge Frau, die sehr an ihren Erinnerungen hängt, vorsichtig und bescheiden ist und ein rundum sympathisches Gesamtpaket abgibt.

Finn O’Leary dagegen ist natürlich das absolute Gegenteil von Zosia. Schon zu Highschool-Zeiten hat Zosia den Einzelgänger mit dem „Bad Boy“-Image angehimmelt – so wie jedes andere Mädchen an ihrer Schule auch. Dass ausgerechnet der schlagfertige und attraktive Finn nun ebenfalls seinen Sommer in Tokio verbringt und sich zwischen ihm und Zosia schnell mehr als eine Freundschaft entwickelt, ist für Vielleser des Genres wohl alles andere als überraschend. Auch an einer dramatischen Vergangenheit, die den Charakter des Bad Boys mit dem weichen Kern rechtfertigt, darf es selbstverständlich nicht fehlen.

Obwohl sowohl Zosia als auch Finn allen Figurenklischees des „New Adult“-Genres entsprechen, mochte ich sie als einzelne Charaktere und auch als Pärchen gerne. Sie harmonieren gut miteinander und lassen sich für ihre Gefühle Zeit, auch wenn von Anfang an eine gewisse Spannung zwischen ihnen zu spüren ist. Ihre Beziehung entwickelt sich zwar gewohnt schnell, bleibt aber im Vergleich zu der anderer Romanpärchen des Genres sehr bodenständig und authentisch. Zosia und Finn fallen nicht sofort übereinander her, sie wollen einander verstehen, sich stützen, sich vertrauen.

Was mich allerdings sehr enttäuscht hat, ist die Atmosphäre des Schauplatzes. Ich habe sehr große Erwartungen in das Japan-Setting gesteckt und mir jede Menge Kirschblüten-Flair gewünscht. Tatsächlich habe ich beim Lesen von dem Land der aufgehenden Sonne nichts gespürt. Natürlich behandelt Brenda St. John Brown in „Ein Sommer in Tokio“ einige Dinge, die man sofort mit Japan verbindet – die Tempelanlagen, die völlig überfüllten Bahnen, das japanische Essen –, aber der atmosphärische Funken wollte einfach nicht auf mich überspringen. Würde man die japanischen Begriffe einfach umschreiben, aus Sushi Pizza und aus den Tempeln einen Park machen, könnte die Geschichte problemlos auch woanders spielen, ohne dass man einen großen Unterschied bemerken würde.

Fazit:

„Ein Sommer in Tokio“ von Brenda St. John Brown ist ein solider „New Adult“-Roman, in dem sich Fans des Genres garantiert pudelwohl fühlen werden. Obwohl sich die Autorin vieler Klischees und Stereotypen bedient, hat die Liebesgeschichte von Zosia und Finn im fernen Tokio für mich einfach funktioniert. Ich habe ihnen ihre Gefühle füreinander geglaubt und dem Happy End mit jedem Kapitel mehr entgegen gefiebert. Leider hat mich aber das Setting des Romans sehr enttäuscht. Japan als Kulisse hat mich unheimlich neugierig und sehr interessiert an „Ein Sommer in Tokio“ herangehen lassen, aber die Atmosphäre des Landes war für mich nicht zu spüren. Der Roman hätte ebenso gut in Amerika spielen können, ohne dabei an meinen hohen Erwartungen an das ungewöhnliche Setting zu scheitern. Von mir gibt es dennoch eine klare Leseempfehlung für jeden „New Adult“-Fan, denn trotz meiner persönlichen Kritik macht der Roman einiges besser als die Konkurrenz. Für „Ein Sommer in Tokio“ vergebe ich gute 3 Lurche.

1 Kommentar:

  1. Lustig, ich musste sofort an die Serie "Girls" denken. Denn in einer Staffel geht eines der Mädchen, Shoshanna, für einen Job nach Japan. Die Schauspielerin, die Shoshanna spielt, heißt Zosia Mamet.
    Ob die Autorin dieses Buches durch die Serie inspiriert wurde? :)

    Liebe Grüße,

    http://lesenundgrossetaten.blogspot.de/

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