Rezension: "Ewig und ein Sommer"

Kerstin Arbogast // Drachenmond // 384 Seiten // Tasdhenbuch // 14,90€ // ISBN 978-3-95991-117-7 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Sophie glaubt an einen Fluch, der ihr die erste Liebe verwehrt. Obwohl sie kein Wort versteht, sieht sie sich mit ihrer Oma ständig brasilianische Telenovelas im Fernsehen an. Ihren Rauhaardackel Whiskey liebt sie über alles, hasst aber Katzen und Ponys, dennoch würde sie am liebsten mit dem Zirkus durchbrennen. Weihnachten feiert Sophie im Hochsommer, und auch noch mit achtzehn klettert sie auf Spieltürme hinauf. Sie bringt die Menschen um sich herum am liebsten auf die Palme, aber am besten: zum Lachen und aus sich heraus.

Genauso wie Konrad, der sich von ihrer Verrücktheit und ihrem Nichtangepasstsein beeindrucken und anstecken lässt. Weil sie ihn aus seinem Schneckenhaus herauslockt. Weil sie ihn in ihre eigene Welt zieht. Weil er dann seine verkorkste Familie vergessen kann. Weil er sich neben Sophie so schrecklich normal fühlen kann – und gleichzeitig so herrlich verrückt. Oder ist es ihm letztendlich doch wichtiger, was die anderen von ihm denken?
(Quelle: Drachenmond)

Meine Meinung:

Nach "Im Schatten deines Herzens", einem in unserer Welt spielenden Fantasy-Roman, legt Autorin Kerstin Arbogast mit "Ewig und ein Sommer" einen realistischen Contemporary-Roman vor. Bereits mit ihrem Debüt konnte mich die Autorin vollkommen überzeugen können. Auch "Ewig und ein Sommer" konnte mich mit den ersten Seiten in Windeseile gefangen nehmen, mich neugierig machen, mich gebannt an den Seiten kleben lassen. Ulkig, humorvoll, spaßig verspricht der Roman zu werden, sobald man mit dem Lesen begonnen hat. Dass hinter der Fassade der Geschichte allerdings noch viel mehr stecken wird, als man anfangs zu ahnen glaubt, als der Klappentext vermuten lässt, wird einem durch die Stimmung von Kapitel zu Kapitel bewusster. "Ewig und ein Sommer" ist mehr als eine luftige Sommergeschichte. So, so viel mehr.

In "Ewig und ein Sommer" teilen sich zwei Charaktere die Erzählerrollen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Sophie Arendt und Konrad Wegener. Obwohl beide sich durch die Schule schon seit Jahren kennen, lernen sie sich erst in diesem einen Sommer wirklich kennen. Sie, die herrlich schräge und innerlich doch so unsichere Sophie, und er, der zurückgezogene und sich so sehr nach Veränderungen sehnende Konrad, sind ein grandioses Duo. Mit ihrer großartigen Dynamik, ihren spritzig-frechen Dialogen, ihrem ehrlichen Miteinander sind sie für den unvergleichlichen Charme des Romans verantwortlich und haben mein Herz im Sturm erobert!

Neben Sophie und Konrad tummeln sich noch zahlreiche weitere Figuren in der Geschichte, die Kerstin Arbogast allesamt auf ihre einzigartige Art und Weise gezeichnet hat. Man trifft auf Sophies Familie, die keinen Zweifel mehr daran übrig lässt, wie Sophie zu der jungen Frau heranwachsen konnte, die das Kind in ihrem Herzen niemals verloren hat. Man lernt Whiskey kennen, Sophies älteren Hundeherren, der so viel mehr ist als ein Haustier. Man begegnet Konrads Freundeskreis und Viola, seiner Ex-Freundin, die auf ehrliche Weise zeigen, worauf es bei Freundschaften eben nicht ankommt. In diesem Buch prassen so viele unterschiedliche, eigenwillige, einmalige Figuren zusammen. Sie alle tragen auf ihre Weise zum Handlungsverlauf bei - die einen positiv und rührend, die anderen negativ und dafür umso authentischer. Das bunte Potpourri an Charakteren hat "Ewig und ein Sommer" für mich auf wunderbar ehrliche Weise realistisch gemacht.

Kerstin Arbogast ist eine ganz besondere Autorin für mich: Sie schreibt atmosphärisch dicht und emotional, bewegend und tiefgründig, ohne dabei jemals ihre wunderbar lockere und jugendliche Erzählstimme zu verlieren. Sie schafft es, mich beim Lesen zum Schmunzeln zu bringen, um nur wenige Sätze später einen schweren Stein auf meinem Herzen abzulegen und mich in ein wahres Gefühlschaos zu stürzen. Kerstin Arbogast ist eine Wortpoetin, die ihre Leser bei der Seele packt, und trotzdem mit einer solchen Leichtigkeit schreibt, dass man sich der Geschichte kaum entziehen kann.

Dank ihres auffälligen Schreibstils bietet Kerstin Arbogast ihren Lesern ein sehr spezielles, sehr besonderes Erlebnis, das sicherlich nicht alle mit der gleichen Intensität abholen können wird. Die Autorin nimmt sich für ihre Geschichte und ihre Charaktere Zeit, gibt ihnen den Freiraum, sich zu entwickeln, zu fallen, zu trauern, wieder aufzustehen, neue Kraft zu schöpfen, ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen. "Ewig und ein Sommer" ist ein Roman, der sich durch sein intensives Gefühlsbild auszeichnet, der zu seinen natürlichen und realistischen Emotionen steht und trotz aller witzig-frechen Momente auch äußerst schwermütig sein kann. Kerstin Arbogast verbindet in ihrem Roman eine zuckersüße, wunderbare Liebesgeschichte mit schmerzlichen, schwierigen Themen, die das eigene Herz auf ganz unterschiedliche Art und Weise zum Stolpern bringen. Wer also auf der Suche nach einer quirligen Contemporary-Romance ist, wird mit "Ewig und ein Sommer" nicht glücklich werden. Wer dagegen ein tiefgreifendes Buch sucht, das man nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen liest, der ist hier genau richtig.

Fazit:

Mit "Ewig und ein Sommer" konnte mich Kerstin Arbogast wieder einmal absolut begeistern. Nach stimmungsvoller Fantasy hat sie nun einen ehrlichen Contemporary-Roman geschrieben, der so atmosphärisch, so besonders, so einmalig ist. Das Protagonistenpärchen Sophie und Konrad ist ebenso speziell wie ihre Geschichte, mit all ihren Facetten und Hintergründen. Mit Mainstream hat das, was sich zwischen diesen Buchdeckeln abspielt, wenig zu tun. Es ist ein Roman über Freundschaft, Liebe und Familie, über Zusammenhalt und die nötige Distanz, über die Leichtigkeit und die Schwerer wahrer Momente. Wunderschön, drückend, bewegend und emotional: "Ewig und ein Sommer" erzählt vom Leben, das einen so oft enttäuscht und doch so viel Schönheit, Mut und Kraft in sich trägt. Wer gerne mit dem Herzen statt mit den Augen liest, der greift mit "Ewig und ein Sommer" definitiv zum richtigen Buch. Ich vergebe 5 Lurche.

Kommentare:

  1. Nach deiner Rezension hab ich das Gefühl, dass ich das Buch unbedingt lesen muss*-*
    Kommt mit auf meine Wunschliste!

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  2. Huhu!

    Der Klappentext klang schon vielversprechend, aber deine wunderbare Rezension macht noch viel mehr Lust auf das Buch. :-) Sehr schön geschrieben!

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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