Rezension: "Silber - Das zweite Buch der Träume"

Kerstin Gier // Fischer FJB // 416 Seiten // gebunden // 19,99€ // 9783841421678 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Liv kommt nicht zur Ruhe – weder bei Tag noch bei Nacht: Während Liv und Henry in ihren Träumen von einem mysteriösen Senator Tod verfolgt werden, bloggt Secrecy im wahren Leben über intime Geheimnisse von Liv, von denen sie überhaupt nichts wissen kann. Als Mia plötzlich auch noch mit dem Schlafwandeln anfängt und sich dabei in so manch gefährliche Situation bringt, wird Liv klar: Sie muss unbedingt herausfinden, was für ein falsches Spiel mit ihr gespielt wird – und sich jenen stellen, die noch eine Rechnung mit ihr offen haben.

Meine Meinung:

Kaum hat man das Buch aufgeschlagen, wird klar, dass die Autorin ihre Leser auch mit dem zweiten Band ihrer „Silber“-Serie nicht enttäuschen wird. In typischer „Gier-Manier“ stellt sich innerhalb kürzester Zeit die heimelige und harmonische Leseatmosphäre ein, die dafür verantwortlich ist, dass man sich in den Büchern der Autorin stets wie Zuhause fühlt. Hat man sich erst einmal wieder in die Geschichte hineingefunden, ist es auch schon geschehen: Man ist in einem unbezwingbaren Lesefluss gefangen, aus dem es kein Entrinnen gibt – aus dem man aber auch gar nicht Entkommen will!

Im zweiten Abenteuer von Liv warten viele neue Geheimnisse darauf, von der jungen Träumerin gelüftet zu werden: Wer ist der seltsame Typ, der Liv und Henry in dem Traumkorridor auflauert und sich auch noch Senator Tod nennt? Wieso beginnt Mia plötzlich zu schlafwandeln? Und warum zum Teufel lädt Henry Liv nicht endlich mal zu sich nach Hause ein? Die Suche nach neuen Hinweisen, die endlich Licht ins Dunkel bringen würden, entpuppt sich als fesselndes Lesevergnügen, das dank Kerstin Giers mitreißendem Schreibstil und ihres unvergleichlichen Humors leider viel zu schnell wieder vorbei ist. Auf den knapp 400 Seiten warten jede Menge überraschende Wendungen, emotionale Zwischenfälle und aufregende Erkenntnisse auf den Leser, sodass man mit Fug und Recht behaupten darf, dass einem in diesem Buch niemals langweilig wird.

Liv, ihres Zeichens wieder Protagonistin und Erzählerin, trägt einen erheblichen Teil zum Spaß in der Geschichte bei. Mit ihrer witzigen und in jeglicher Hinsicht liebenswürdigen Art sammelt Liv mit jeder Seite mehr Sympathiepunkte auf einer Skala, die sie bereits im ersten Band geknackt hat. Man erlebt so gerne mit ihr gemeinsam die verrücktesten Dinge in ihren Träumen, dass man „Das zweite Buch der Träume“ mit einem lachenden als auch einem weinenden Auge zuschlägt: Einerseits freut man sich schon tierisch auf das dritte Buch mit Liv, andererseits muss man sich auch schon der Tatsache stellen, dass dieses auch das letzte sein wird.

Liv bekommt in Sachen Unterhaltung und Spannung tatkräftige Unterstützung von den anderen Charakteren der Geschichte. Dank einer ausgewogenen Balance aus wachen Momenten in Livs wirklichem Leben und Kapiteln in den Träumen bekommt jede Figur ihre Chance zu glänzen. Sei es Mia, die einen mit ihren schlagfertigen Sprüchen zum Lachen bringt, Henry, der mit neuen Facetten ungeahnte Seiten von sich zeigt, oder das grausige „Bocker“ (aka Ernests Mutter aka „Biest in Ocker“), das alle Schwiegermutter-Klischees noch einmal übertrumpfen kann – zwischen den Figuren herrscht eine geniale Dynamik, über die man sich nur bestens amüsieren kann.

Fragen über Fragen tummeln sich im zweiten Buch der Träume, doch nur eine Person scheint auf alles eine Antwort zu haben: Secrecy, die Bloggerin (oder doch der Blogger?) hinter dem „Tittle-Tattle-Blog“, auf welchem stets die heißesten News über die Schüler der Frognal Academy veröffentlicht werden. In diesem Band wird Secrecys Rolle besonders prekär, denn sie – oder er? – veröffentlicht Informationen, von denen sie/er überhaupt nichts wissen kann! Wer steckt nun hinter „Secrecy“? Ihre/Seine Blogbeiträge und die Ereignisse engen den Kreis der Verdächtigen erheblich ein…

Auf den letzten Seiten finden sich einige Extras für die „Silber“-Fans. Neben einem Rezept für Lotties hochgelobte Vanillekipferl findet man dort auch ein Personenregister und ein Traum-Regelwerk zum Auffrischen der eigenen Erinnerungen. Das Beste gibt es aber wie immer zum Schluss: ein Brief von Kerstin Gier an ihre Leser, in dem sie einige Hinweise auf die Geschehnisse im letzten Band der Trilogie liefert.

Kerstin Giers Brief ist es aber auch, der einen nach der letzten Seite ein wenig enttäuscht zurücklässt: So viel Spaß einem „Das zweite Buch der Träume“ während des Lesens auch beschert hat, man kann ihm den verhassten „Lückenfüller“-Titel nicht ganz absprechen. Tatsächlich ist auf den knapp 400 Seiten nicht viel passiert, was die Haupthandlung vorangetrieben hat. Fokussiert sich Kerstin Gier auf den ersten 300 Seiten noch sehr auf ihre Charaktere und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zueinander, so kommt die eigentliche Geschichte erst im letzten Viertel wirklich in Fahrt. Nichtsdestotrotz ist der zweite Band der Trilogie ein tolles Buch, mit welchem man sich bestens unterhält; ein Pageturner, der einen voll und ganz in seine Welt abtauchen lässt.

Fazit:

„Das zweite Buch der Träume“ von Kerstin Gier ist eine gelungene Fortsetzung der „Silber“-Trilogie, kann aber leider nicht ganz mit dem genialen Auftakt mithalten. Zwar steht die Geschichte dem ersten Band in Sachen Witz, Charme und Spannung in Nichts nach, aber leider wird dieser Band das „Lückenfüller“-Image nicht ganz los. Die Haupthandlung der Trilogie hätte im „zweiten Buch der Träume“ durchaus eine größere Rolle einnehmen sollen. Trotz der Kritik schafft es Kerstin Gier, auch aus diesem Buch einen großartigen Pageturner zu machen, der mit Witz und Charme zu begeistern weiß. Für „Silber – Das zweite Buch der Träume“ vergebe ich 4 Lurche.

Kommentare:

  1. Hey :)
    Ich habe den zweiten Band ähnlich empfunden- er ist schon etwas schwächer, aber ich hatte trotzdem viele Momente, in denen ich lachen konnte, der typische Kerstin Gier Stil mich gepackt hat und ich vollkommen im Buch verloren gegangen bin- das schaffen bei mir nicht allzu viele Autoren :) Bin mal gespannt, was du zu Band 3 sagst ;)

    Viele Grüße
    Fina (https://buchlabyrinth.blogspot.de/)

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  2. Ich muss gestehen, diese Rezension hält mich trotz der vier Lurche eher davon ab, mit der Trilogie zu starten. Gerade diese intensive Charakterbildung ohne Haupthandlungsvoranbringung (ist das ein Wort?) im zweiten Band warnt ein bisschen davor, dass es schwächelt. Danke für deine Worte!

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  3. Genau so geht es mir auch! Ich lese im Moment den dritten Band (haut mich jetzt schon um) Ich liebe deinen Blog, vielleicht schaust du mal bei meinem vorbei (habe ich erst seit 1 Monat). miasbeautifulbookworld.simplesite.com
    Liebe Grüße von deinem Fan! <333

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